Kunst und Kultur
Michael Köhlmeier hat es also wieder getan: Er hat
ein Buch geschrieben. Einen weit ausladenden
Roman. Noch dazu aus der
Perspektive eines Katers, der in seinem siebten Leben seine sechs vorangegangenen erzählt, also quasi
seine Memoiren schreibt, die wir
auf knapp 1000 Seiten lesen oder (fast noch besser)
als gut 40-stündiges Hörbuch von ihm selbst vorlesen lassen können.
Der Kater heißt Matou –
genauer Monsieur Matou – und
das bedeutet, dass er
ein unkastrierter Kater ist, worauf er
großen Wert legt, wie wir in seinem Bericht,
unter vielem anderen, erfahren. Denn
die sieben Leben dieses
sprechen und
schreiben könnenden Katers fangen bei der
französischen Revolution an – und reichen bis
zur studentischen Gegenwart in Wien und Berlin.
Inklusive seiner jeweils dazwischen liegenden
Aufenthalte “im Weggemachten”, einer von uns Menschen eher unbeholfen als
“Jenseits” beschriebene Dimension.
Eine Zwischenwelt des Übergangs von einem vergangenen in ein neues Leben, das sich
die darin befindlichen Katzen selbst aus einem
“Katalog” auswählen können.
Hier berührt uns der in dieses Buch verdichtete Schatz aus all den verschiedenen
Lebensthemen und Arbeiten seines Autors – und den wollen wir
in dieser Sendung endlich
zu Gespür bringen. Denn nichts ist
sinnloser und missverständlicher als die unbeholfenen Versuche,
diesen vielschichtigen Roman, der
viel mehr als nur die Summe seiner Teile ist, auf
irgendeine pseudosachbezogene Weise vorstellen,
verkaufen,
kritisieren oder
interpretieren zu wollen. Diesem vielfach vollzogenen
Schuss ins eigene Knie (gern auch
in den Ofen,
lieber Matou, der du dich sieben Leben lang
an der Verwendung von Metaphern durch uns Menschen abarbeitest) liegt ein weltumspannender
Irrtum zugrunde – nämlich
das Nichtverstehen und somit
das Nichtunterscheidenkönnen von
rechtshemisphärisch und
linkshemisphärisch geprägten Denkprozessen.
In linkshemisphärisch geprägten Kategorien ist
Köhlmeiers Welt nicht zu begreifen.
Was in vielen Rezensionen als ermüdender
Mangel an Ordnung und Struktur beklagt wird (etwa
das sprunghafte Erzählen des Katers Matou quer durch
philosophische Gedanken,
spontane Einfälle,
Erinnerungen sowie
geruchs-,
geräusch-,
gefühls- und
vorstellungsbedingte Assoziationen, in
Vor- und
Rückblenden und sich
zeitlos dehnenden Augenblicken undsoweiter), das ist
die rechtshemisphärisch gestaltete Vielwelt aus Wechselwirkung und Gleichzeitigkeit, mit der
das vielleicht gar nicht so geheime Leben der Phantasie im Erzählen wie im Zuhören Wirklichkeit wird…
Michael Köhlmeier – Take a walk on the wild side