Kunst und Kultur
“Well I know one thing that really is true: This here’s a zoo and the keeper ain’t you – and I’m sick of it. I’m sick of you!”
Lou Reed war immer schon beides zugleich:
Beißend und liebevoll. Auch in seinem wohl gesellschaftskritischsten Album
“New York” aus dem Jahr
1989, welches wir hier fast zur Gänze vorstellen.
Liebe Österreicherl und -innerln, der sagenumrankte
Gründer der
Velvet Underground, langjährige
Freund von
Andy Warhol und schlussendliche
Ehemann von
Laurie Anderson serviert
der Welt und uns darauf
ein Lied über den
verlogenen Schönsprech von politischem Personal, der
als freundliche Fassade dessen innere Bosheit überdeckt: “Good Evening Mr. Waldheim”. Oder haben wir längst
vergesserln, dass
“damals” nur sein Pferderl bei der SA gewesen sein soll?
Illustrieren wollen wir
die heutige Songsammlung allerdings mit dem
Cover der kurz darauf –
anlässlich von Warhols Tod – entstandenen
“Songs For Drella”. Und um der
sensiblen Seite des Rockpoeten gerecht zu werden, haben wir auch den Titel
“Hello it’s Me” in unsere Playlist eingearbeitet. Wie heißt es
im Rolling Stone: “Reed verfolgte fortan das Ziel, die Empfindsamkeit des Romans in die Rockmusik zu übersetzen.” Dem haben wir
nicht viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass wir davon
überzeugt sind,
es tut einer in alle Richtungen auseinander fallenden Welt gut, wenn Menschen in ihr leben,
die vermeintliche Gegensätze miteinander in Verbindung bringen können. Oder die sich zumindest
daran abarbeiten, dieses wieder und wieder
zu versuchen. Und so stellen wir diese knappe Stunde, in der
lyrischer Text und expressive Musik verschmelzen, genau
zwischen eine Spontanerzählung und eine Klangweltreise – um wieder einmal
einen Zusammenhang zu stiften
inmitten einer Radiofabrik, von der man oft sagt,
zwischen ihren Sendungen gäbe es
“die härtesten Übergänge”.
Heute,
bald 10 Jahre nach seinem Tod (an den Folgen einer Lebertransplantation) befindet sich
Lou Reed fraglos unter den ganz großen Poeten und Propheten der Musikwelt, wie zum Beispiel
Leonard Cohen,
Patti Smith oder
Bob Dylan, eine gar beachtliche
Ahnenreihe unserer Generation, die allesamt
jenseits ihrer jeweiligen Einordnung in irgend einen Verwertungszweck zeitlose Schönheit und Wahrheit erschufen,
an denen sich jede wie auch immer geartete Weltwidmung bis in alle Zukunft die Zähne ausbeißen wird.
So ist das nämlich,
nicht nur mit der Poesie!
I’m sick of you.