Mi 01. Feb 2023

Solidarität mit Radio Dreyeckland

Am 17. Jänner 2023 durchsuchten Polizist:innen die Privatwohnungen zweier Mitarbeitenden von Radio Dreyeckland, dem freien und nichtkommerziellen Radio rund um Freiburg, und beschlagnahmten dabei mehrere Computer, Mobiltelefone und Datenträger.

Die Beschlagnahmung in den Geschäftsräumlichkeiten selbst konnte gerade noch verhindert werden. Als Begründung für die umfassenden Hausdurchsuchungen wurde ein Artikel von Radio Dreyeckland herangezogen, bei dem das Setzen eines Links und somit ein Quellennachweis als Werbung für eine verbotene Vereinigung ausgelegt wurde.

Dieses Vorgehen, Hausdurchsuchungen aufgrund eines nach journalistischen Grundsätzen gestalteten redaktionellen Beitrags durchzuführen, stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Pressefreiheit und das Redaktionsgeheimnis dar.

Die Geschäftsführung von Radio Dreyeckland sagt dazu:

“Die Durchsuchungen und Beschlagnahme verletzen in gravierender Weise die Rundfunkfreiheit und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Durchsuchung, Beschlagnahme und Auswertung verstoßen darüber hinaus gegen die aus den Verfassungsgrundsätzen folgenden Bestimmungen der Strafprozessordnung, die einen Schutz der Redaktionsfreiheit gewährleisten.” (s. dazu die Pressemitteilung vom 17.1.2023)

In einer bereits eingereichten Beschwerde hat Radio Dreyeckland das sofortige Auswertungsverbot aller beschlagnahmten Unterlagen beantragt sowie die sofortige Herausgabe der bei der Durchsuchung beschlagnahmten Geräte und Datenträger.

Die betroffenen Redakteur:innen berichten in einer Sondersendung auf Radio Dreyeckland über die Vorfälle: hier zum Nachhören.

Wir schließen uns der Stellungnahme des Verbands Freier Rundfunk Österreich (VFRÖ) an und sprechen unsere volle Solidarität mit den Kolleg:innen von Radio Dreyeckland aus. Hier die Stellungnahme in vollem Wortlaut:

Solidarität mit den Kolleg:innen von Radio Dreyeckland – Stellungnahme des Verbands zu den Hausdurchsuchungen

Mit großer Sorge haben wir die Nachricht über die Hausdurchsuchungen rund um Radio Dreyeckland, dem Freien Radio in Freiburg im Breisgau, vernommen. Am 17. Jänner 2023 durchsuchten Polizist:innen die Privatwohnungen zweier Mitarbeitenden von Radio Dreyeckland und beschlagnahmten dabei mehrere Computer, Mobiltelefone und Datenträger. Die Beschlagnahmung in den Geschäftsräumlichkeiten selbst konnte gerade noch verhindert werden. Als Begründung für die umfassenden Hausdurchsuchungen wurde ein Artikel von Radio Dreyeckland herangezogen, bei dem das Setzen eines Links und somit ein Quellennachweis als Werbung für eine verbotene Vereinigung ausgelegt wurde.

Dieses Vorgehen, Hausdurchsuchungen aufgrund eines nach journalistischen Grundsätzen gestalteten redaktionellen Beitrags durchzuführen, stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Pressefreiheit und das Redaktionsgeheimnis dar.

Freie Radios und Community TVs sind nicht-kommerzielle Rundfunkveranstalter:innen, die unabhängige, gemeinnützige und nicht auf Profit orientierte Medienarbeit leisten. Community Medien fördern eine sorgfältige, unabhängige und auch unbequeme Berichterstattung. Die Freien Sender Österreichs verpflichten sich freiwillig dem Ehrenkodex für die österreichische Presse und seit Ende 2021 besteht auch für die Freien Sender die Möglichkeit, sich der Selbstkontrolle des Österreichischen Presserats zu unterwerfen. Die Sendungen werden dabei Großteils von ehrenamtlichen Redakteur:innen gestaltet, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und deren Arbeit von journalistischen und medienethischen Standards geleitet wird.

Zuletzt hat der Europarat im März 2022 jene Rahmenbedingungen zur Sicherung und Weiterentwicklung von Qualitätsjournalismus definiert, die explizit auch die Funktion Freier Community Medien ansprechen und den demokratischen Wert von Medienfreiheit zum Inhalt haben. So sind die Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, einen nationalen Rahmen zu schaffen, der einen angemessenen Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit und die Autonomie aller Medien sichert, einschließlich Community Medien und privater Medien (Recommendation CM/Rec(2022)4). Jene Vorgaben wurden nun jedoch massiv konterkariert.

Wir verurteilen daher zutiefst solch massive Angriffe auf die redaktionelle Arbeit der Freien Medien, die auch der Einschüchterung kritischer Medienschaffenden dienen sollen, und sprechen unsere volle Solidarität mit den Kolleg:innen von Radio Dreyeckland aus.

Auch wir fordern im Namen der Pressefreiheit, das Ermittlungsverfahren gegen Radio Dreyeckland sofort einzustellen und alle beschlagnahmten Gegenstände herauszugeben sowie einen Rahmen für Freie Community Medien zu schaffen, der ihnen eine betriebliche und redaktionelle Unabhängigkeit garantiert und damit den Rahmenbedingungen des Europarates entspricht.

 
Do 15. Dez 2022

Klimaschutz ist kein Verbrechen!

Die Kultur solidarisiert sich mit den Klimaschutz-Aktivist*innen, die von Politik und Presse diffamiert werden. Radio FRO schließt sich dem Solidaritätsaufruf der IG Kultur als eine der Erstunterzeichner*innen an. Uns ist es wichtig, dass das eigentliche Thema diskutiert wird: die Klimakatastrophe, die es zu verhindern gilt. Politiker*innen scheinen durch verbale Angriffe gegen Klimaschutz-Aktivist*innen von ihrer eigenen Verantwortung für den Klimaschutz abzulenken. Die öffentlichen Aktionen der Aktivist*innen haben hingegen keine bleibenden Schäden verursacht, sondern sind als ziviler gewaltfreier Widerstand legitim.

Hier der Solidaritätsaufruf der IG Kultur:

Klimaschutz ist kein Verbrechen! Die Kultur solidarisiert sich.

Die Klimakatastrophe bedroht nicht eine ferne Zukunft, sie hat längst begonnen. Wir sehen ihre Auswirkungen durch Überschwemmungen, Ernteausfälle und Hungersnöte, Hitzewellen und schmelzende Gletscher. Wissenschaftliche Daten sind eindeutig: Es braucht drastische Maßnahmen, um entgegenzuwirken – und zwar sofort!

Doch die Politik agiert zaghaft und meist nur auf starken öffentlichen Druck. Zuletzt war sogar von Laufzeitverlängerung europäischer Atomkraftwerke oder Kohle-Comeback die Rede, Windräder werden aus „ästhetischen Gründen“ verhindert, Autobahnen sollen durch Naturschutzgebiete gebaut werden und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird nur zögerlich gelöst. Keines der Klimaziele wird so erreicht werden. 

Das Thema ist in den letzten Monaten in den Hintergrund geraten. Klimaschutz-Aktivist*innen wie die „Letzte Generation“ stemmen sich dagegen und bringen das Thema mit Protestaktionen, Blockaden und Aktionismus wieder in eine größere Öffentlichkeit. 

Weite Teile der Politik und Presse reagieren mit Hohn oder Diffamierung. Politischem Aktivismus in Form von friedlichem Protest wird Extremismus vorgeworfen. Das ist ein Hohn für den Klimaschutz und eine Relativierung von tatsächlichem Extremismus.

Andere meinen, das Anliegen sei zwar richtig, aber die Methoden seien falsch. Doch was bleibt anderes übrig als öffentlichkeitswirksame Aktionen, wenn keine Gesprächs- und Handlungsbereitschaft besteht?

Der Kunst- und Kulturbereich unterstützt den Protest und Aktionismus, der keine bleibenden Schäden hinterlassen hat, außer in den Scheuklappen der Öffentlichkeit gegenüber diesem drängenden Thema. Eine offene Gesellschaft und funktionierende Demokratie hält solche Aktionen nicht nur aus, sie sind sogar notwendig!

Wir sind dankbar für jede Initiative in Sachen Klimaschutz, zollen unseren Respekt und erklären uns solidarisch mit den Klimabewegungen, zu denen die „Letzte Generation“ zählt. Wir sind selbst aktiv und setzen Aktionen und Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe.

Ziviler gewaltfreier Widerstand gegen die Klimanotlage ist legitim und notwendig und verdient unsere solidarische Unterstützung.

 
Mi 12. Okt 2022

Ö1 und FM4: An Vielfalt darf nicht gespart werden

Als Mitglied des Verbands Freier Rundfunk Österreich (VFRÖ) stehen auch wir hinter den Kolleg*innen von Ö1 und FM4. Wie Ende September bekannt wurde, soll eine Reihe an Sendeformaten aufgrund von Sparmaßnahmen gestrichen oder eingeschränkt werden. Als Grund dafür wird die wirtschaftliche Lage genannt. Damit unterzieht sich ein öffentlich-rechtliches Medium marktwirtschaftlichen Zwängen, was auch der Schriftsteller*innen-Verband IG Autorinnen und Autoren kritisiert. In einem offenen Brief heißt es:

“Die geplanten Abschaffungen, die den Kernauftrag des ORF betreffen, haben nichts mit einer Programmreform zu tun, sie sind einzig und allein das Ergebnis einer nicht im Sinne des ORF-Gesetzes handelnden ORF- und Medienpolitik.”

Der Standard hat berichtet, dass von den Kürzungen bei Ö1 “weniger gehörte Sendungen und Randzonen” betroffen sein sollen. Konkret geht es aber um einzigartige Formate wie: Rudi – der rasende Radiohund, Kunstradio – Radiokunst, Zeit-Ton, und Moment – Leben heute am Sonntag.

FM4 hat bereits sein Tagesprogramm umgestellt, von der Schaffung eines “jungen Ö3” war u.a. die Rede.

Gerade die Wahrung einer journalistischen, musikalischen und kulturellen Vielfalt ist eine öffentlich-rechtliche Kernaufgabe. Das beinhaltet auch ein Angebot abseits des Mainstreams. Auch wenn Freie Medien diesen Anspruch erfüllen, ist es nicht alleine ihre Aufgabe, sondern eine generelle mediale Verantwortung.

 

Wir schließen uns daher dem Statement des VFRÖ an. Hier im vollen Wortlaut:

DER VERBAND FREIER RUNDFUNK STEHT HINTER DEN MITARBEITER_INNEN VON Ö1 UND FM4

05.10.2022

Der Verband Freier Rundfunk Österreich steht mit seinen Sendern – von Vorarlberg bis Wien, von Klagenfurt bis Freistadt – hinter den Mitarbeiter_innen von Ö1 und FM4. Wir sehen sowohl eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen (Überstundensperre bei gleichzeitig hoher Arbeitsbelastung) als auch des Programms, insbesondere in der völligen Entfernung sämtlicher Radio-Kinderformate und der experimentellen Radiokunst auf Ö1, mit großer Sorge entgegen. Diese drohenden Maßnahmen, die offenbar einer rein kommerziellen Marktlogik folgen, stehen dem öffentlich-rechtlichen Kernauftrag des ORFs mit der Vermittlung eines vielfältigen kulturellen Angebots und der Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft bei angemessener Berücksichtigung aller Altersgruppen völlig entgegen. Wir fordern die Verantwortlichen des ORF daher auf, die Vermittlung von Kunst, Kultur und Bildung im Rahmen von Ö1 und FM4 in ihren Plänen zur Umstrukturierung sicherzustellen sowie mit einem klaren Statement dem leichtfüßigen Abbau der journalistischen Vielfalt und damit einhergehenden Schwächung gegenüber autoritären Tendenzen einmal mehr entgegenzutreten.

Wir unterstützen den Offenen Brief von Kulturakteur_innen an ORF- und Medienverantwortliche:

Streichorgie bei Ö1, Radikalumbau bei FM4, Halbierung von orf.at
Wir lassen die Zerstörung des ORF nicht zu

Der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF wird soeben vor aller Augen entsorgt. FM4 wird kommerzialisiert, die blauen Seiten von orf.at werden halbiert, Ö1 wird zusammengestrichen*, Kulturkooperationen werden abgebaut.

Die großen Verlierer des ORF-Radikalumbaus sind die Popkultur abseits des Mainstreams und die zeitgenössische Musik, Literatur, Kindersendungen, die Information und Hintergrundinformation sowie sämtliche  Bereiche der Kunst, Kultur und Bildung. Die Zentralisierung des ORF auf dem Küniglberg hat vor allem eines bewirkt, den Rückzug des ORF aus seinen öffentlich-rechtlichen Aufgaben.

Wir fordern die Verantwortlichen im ORF und alle seine Organe sowie die Zuständigen in der Regierung und in den Parlamentsparteien zur umgehenden Zurücknahme und Gegensteuerung aller Pläne auf, die sich gegen Kunst, Kultur, Bildung, Information und nicht-kommerzielle Interessen richten. Wir erwarten uns darüber hinaus von der Regierung, hier und jetzt ihrem im Regierungsprogramm selbstgestellten Anspruch nachzukommen, und zwar in den folgenden Punkten:

„1. Öffentlich-rechtlichen Auftrag im Bereich Kunst und Kultur stärken und klares Profil für ORF III als Kultur- und Kunstsender sowie für Ö1 und FM4 im Bereich des Radios,
2. Abbilden der österreichischen Pop- und Jazzszene im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“ (Regierungsprogramm 2020 – 2024: „Aus Verantwortung für Österreich“)
_________

* Abgeschafft bei Ö1 werden sollen: „Kunstradio ­–­ Radiokunst“, „Zeit-Ton“, „Rudi – der rasende Radiohund“, „Moment – Leben heute am Sonntag“, „Jazznacht“, „Passagen“, „Kinderuni“, „Heimspiel“, „Philosophie am Freitag“ und Beteiligungen von Ö1 an Kultur-Events

 

 

 

 

 
Do 03. Mär 2022

We Stand With Ukraine

Die spontansten Einfälle sind oft die besten. So wie der unseres Technikers Matthias Steiner: 2 LED-Scheinwerfer in Blau und Gelb im FRO-Besprechungsraum waren schnell aufgebaut und seither leuchtet unser Fenster im Gebäude der Stadtwerkstatt in den Farben Blau-Gelb in Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.

#WeStandWithUkraine
Radio FRO verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine aufs Schärfste. Wir sind zutiefst erschüttert über diesen Einmarsch und die damit verbundene Gewalteskalation in der Ukraine. Unsere volle Solidarität gilt allen Menschen in der Ukraine und all jenen, die sich um ihre Familien und Freund*innen in der Ukraine sorgen müssen. Unsere Gedanken sind besonders bei all jenen, die in der Ukraine im Dienste der unabhängigen Information tätig sind. Wir rufen entschieden zur Einhaltung der Verpflichtungen aus der Resolution 2222 (2015) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zum Schutz von Journalist*innen, Medienangehörigen und zugehörigem Personal im bewaffneten Konflikt auf.

Freie, unabhängige und unparteiische Medien sind als eine der wesentlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft zu fördern, weil diese auch zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen können. Wir fordern, dass die Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit gewahrt wird und Angriffe auf Presse, Rundfunk und Amateurfunker*innen unterbleiben. Menschenrechtsverletzungen und Übergriffe gegen Zivilpersonen, einschließlich Journalist*innen, Medien und dem zugehörigen Personal, sind zu verurteilen und müssen umgehend ein Ende finden.

Wir fordern eine rasche Rückkehr zum Frieden. Mit den Worten der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner fordern wir: „die Waffen nieder!”

Im Namen des gesamten Teams von Radio FRO
Michael Diesenreither

 
Fr 07. Jan 2022

Für ein solidarisches Jahr 2022!

Das dominierende Thema des Jahresbeginns 2022 ist leider weiterhin die Pandemie… ist eine “Welle” überstanden, steht schon wieder die nächste Virusvariante vor der Tür. Die Lockdowns zählt man schon gar nicht mehr und wie es in den kommenden Monaten weitergehen wird, ist noch nicht absehbar. Währenddessen haben sich in der Bevölkerung Risse und Konflikte aufgetan, die wohl jede*r von uns spürt. Sei es im eigenen Umfeld oder in Form von lautstarken “Corona-Demos”, die durch die Straßen ziehen. Ängste, Verschwörungsmythen und Fake News kursieren, die von gewissen Gruppen und Parteien genutzt werden, um erst recht Öl ins Feuer zu gießen. Die Stimmung scheint verfahren und keine Möglichkeit mehr zum konstruktiven Dialog zu lassen. Allerdings schaffen wir den Weg aus der Pandemie nur gemeinsam. So lautete die Botschaft der Aktion #YesWeCare, die am 2. Jänner von Akteur*innen der Linzer Zivilgesellschaft veranstaltet wurde. Nach Wiener Vorbild entzündeten auch Menschen in Graz, Bregenz und Leonding ein Lichtermeer des Gedenkens und der Solidarität. Im Gedenken an die Menschen, die an Covid-19 erkrankt und verstorben sind, und in Solidarität mit jenen, die im Gesundheitsbereich arbeiten. #YesWeCare – auch das Team von Radio FRO hat beim Lichtermeer seine Kerzen angezündet.

Foto: Radio FRO

Damit stehen wir auch 2022 aufseiten der Zivilgesellschaft, wollen nicht Sprachrohr für die ohnehin Lauten sein, sondern jenen Gehör verschaffen, die anderswo ungehört bleiben. Wir wollen auch im neuen Jahr unserem Anspruch gerecht werden kritisch, engagiert und konstruktiv zu berichten.

Ein besonderes Dankeschön geht an unsere Mitglieder im FRO Freundeskreis! Ohne euren wertvollen Beitrag wären eine unabhängige Berichterstattung im Infomagazin FROzine oder Investitionen und Projekte nicht möglich.

Wir freuen uns natürlich auch über weitere Unterstützung. Mehr Infos gibt es unter: www.fro.at/freundeskreis. Im Rahmen unserer aktuellen Freundeskreis-Kampagne erfährt ihr außerdem mehr über uns und die Sendungsmachenden. Laufende Infos gibt es in unseren Social Media Kanälen und unter www.fro.at/offenkritischfrei.

Somit wünschen wir euch ein gesundes und gemeinschaftliches Jahr 2022 und weiterhin viel Spaß mit unserem Programm!

 
Do 18. Nov 2021

Persönliches zum Führungswechsel bei Radio FRO

Neue Funktion bei Radio FRO: In Zukunft darf ich weniger PR-Texte, Social-Media-Beiträge und Moderationstexte verfassen, sondern mehr Förderanträge und Subventionsansuchen schreiben. Ich werde die wunderbare FRO-Geschäftsführerin Michaela Kramesch bis Juni 2023 als Karenzvertretung inhaltlich und organisatorisch vertreten! Als kaufmännischer Experte steht mir dabei Ralf Schinko zur Seite. Meine bisherigen Aufgaben in der PR und der FROzine-Redaktion übernimmt die erfahrene Journalistin Marina Wetzlmaier.

Mein Einstieg bei Radio FRO begann übrigens 2014 mit der Lehrredaktion. Seit Oktober 2014 war ich dann freier Redakteur beim Infomagazin FROzine und im Kultur- und Bildungskanal (z.B. Crossing Europe, Kunstuni, Kultur und Bildung spezial). Daneben immer wieder Live-Sondersendungen (z.b. Linzpride) und die Musiksendung DAHOAMgrown hat’s zwischen 2015 und 2017 auf immerhin 30 Sendungen gebracht. Im September 2018 folgte dann die Anstellung für PR, Redaktion und Koordination des Kultur- und Bildungskanals.

Es stehen einige Herausforderungen für Radio FRO und für den Freien Mediensektor generell an. Wenn seit Jahren die öffentlichen Förderungen stagnieren, die Kosten aber steigen, dann geht sich der Betrieb irgendwann nicht mehr aus. Und von fairen Gehältern – Stichwort “Fair Pay Gap” – sind wir ohnehin weit entfernt. Nicht umsonst fordert der Freie Rundfunk seit Jahren eine Erhöhung des Nichtkommerziellen Rundfunk-Fonds (siehe auch “Verband Freier Rundfunk: Medienförderung muss reformiert werden”)

Das Tolle an Radio FRO ist für mich vor allem, dass jede und jeder mitmachen kann und unsere kritische und gesellschaftspolitische Berichterstattung, abseits von jeglichen kommerziellen Vermarktungszwecken. Aber dafür braucht’s natürlich Voraussetzungen – finanziell, strukturell, infrastrukturell – fad wird uns als FRO-Team bestimmt nicht, und an Kreativität und Ideen wird’s uns jedenfalls nicht mangeln.

von l.n.r.: Ralf Schinko, Michaela Kramesch, Marina Wetzlmaier, Michael Diesenreither

 
Do 20. Mai 2021

Medienförderung für Freie Medien? Bitte warten!

Seit Jahren fordert der Nichtkommerzielle Rundfunk in Österreich eine Erhöhung seiner Basis-Förderung, analog wie es schon ÖVP-FPÖ noch in der Vorgängerregierung für den kommerziellen Rundfunk-Fördertopf gemacht haben. Noch kurz vor Ibiza wurde nämlich dieser Fördertopf von 15 auf 20 Mio Euro erhöht. Damit endlich wieder das Missverhältnis beseitigt ist. Schauen wir uns den RTR-Entscheid 2021 an. Alleine beim ersten Antragstermin 2021 bekommt die Fellner-Gruppe (Fernsehen und Radio) für 2021 2.886.388 Mio Euro nur an Rundfunkförderung zugesprochen (ohne Werbeaufträge, Printförderung etc.). Der Betrag für alle 14 nichtkommerziellen Radios und 3 TV-Stationen zusammen ist mit max. 3 Mio Euro pro Jahr gedeckelt. Und diese Deckelung besteht seit Einführung des nichtkommerziellen Rundfunkfonds vor mehr als einem Jahrzehnt.
Im Koalitionsabkommen zwischen ÖVP und Grünen ist die
“Überprüfung der Dotierung des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds (NKRF) mit dem Ziel einer Erhöhung im Hinblick auf Entwicklung innovativer Medienformen.”
verankert. Die Überprüfung habe schon stattgefunden, so Eva Blimlinger, Kultur- und Mediensprecherin der Grünen im Nationalrat. Bloß bei der Erhöhung selbst, bremst der Koalitionspartner ÖVP. “Es ist grad schwierig” mit der ÖVP, so Blimlinger. Für die Freien Radios und deren Finanzierung übrigens grad auch!
Jedenfalls hört euch das FROzine von meiner Kollegin Marina Wetzlmaier an. Es geht primär um Kulturpolitik und Kulturförderung. Die Fragen zur Medienpolitik hab ich zum Interview beigesteuert. Hier gibt’s das Interview in voller Länge zu hören:

Ist möglicherweise ein Bild von 2 Personen, Personen, die sitzen und Text „„Es ist momentan schwierig. Ich hoffe, dass es uns so bald wie möglich gelingt, dieses Missverhältnis zwischen der Förderung für kommerziellen und nichtkommerziellen Rundfunk zu beseitigen. Ich kann nur leider keinen Zeitraum versprechen." Eva Blimlinger, Kultur- und Mediensprecherin der Grünen im Nationalrat im Gespräch mit FROzine- Redakteurin Marina Wetzlmaier FROzine am Do 6. Mai 18:00 jetzt hören: https://cba.fro.at/499216 100 RADIO FRO“
 
Mi 10. Feb 2021

Kein Platz für Verschwörungen und Fakenews

Liebe Sendungsmachende, Liebe Zuhörer*innen, Liebe Radio FRO Freund*innen!

In den letzten Jahren sind Fakenews Bestandteil in unser aller Wirklichkeit geworden. Auch Verschwörungsmythen sind nicht erst eine Erfindung dieser Pandemie, in der wir stecken – aber diese für uns alle schwere Zeit, bringt leider vieles ans Licht, das wir bis jetzt immer mit einer Handbewegung abgetan haben. Wir haben uns keine Gedanken darüber gemacht. Doch nun ist es wichtig alle „Bewegungen“, die derzeit zu ihrem persönlichen Zenit finden – mit all dem unsolidarischem Verhalten, mit all den Fehlinformationen, dem entbehren jeglicher Fakten, bzw. dem Stützen auf nicht untermauerte Einzelmeinungen – zu erkennen. Es gilt sich diesem Vorgehen entschieden entgegenzustellen.

Als freies Radio berufen wir uns auf die Charta der Freien Medien, sie liegt uns als Fundament zugrunde und ist unser Werkzeug und unser Ideal in unserm Handeln und Tun als Medienmacher*innen.

Ich wähle hier bewusst den Begriff Medienmacher*innen, denn als Redakteur*in auf Radio FRO trägt man seine Verantwortung weit über die Frequenzen 105,0/ 102,4 und der Homepage von Radio FRO hinaus. Du und ich wir sind auf Facebook, auf Twitter, auf Instagram, WhatsApp, und in vielen anderen sozialen Netzwerken und Nachrichtendiensten unterwegs. Wer sich Radio FRO auf die Fahnen schreibt, die/der hat auch den Spirit der Charta in sich verinnerlicht.

Wir haben uns zu Beginn dieser Pandemie schon mal mit folgendem Aufruf an unsere Sendungsmacher*innen gerichtet:

Wir sind ein Medium, das intensiv gegen Fake-News (etwa aus den sozialen Medien), gegen autoritäre Tendenzen und gegen Panik antritt sowie seine Informationspflicht und den kulturellen Auftrag erfüllt, auch gemäß einem Rundschreiben der KommAustria-RTR für “die besondere Bedeutung von Audiomedien und audiovisuellen Medien in Krisenzeiten”. Wichtig ist beim Berichten über aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise: auf Quellen achten, keine Panik verbreiten und keine Falschmeldungen. Journalistische Sorgfaltspflicht ist oberstes Gebot!

*Wenn ihr also in euren Sendungen auf die Pandemie und ihre Auswirkungen Bezug nehmt, so macht dies bitte sachlich und entlang der Fakten. Als öffentliches Medium haben wir die Verantwortung, die Solidarität und die Demokratie in unserer Gesellschaft zu unterstützen und zu fördern und für nichts anderes steht unser Programm. Dies ist umso wichtiger, weil einerseits in einigen Privat-TV Sendern (in den Online-Foren sowieso) krause und krude (Verschwörungs)Mythiker*innen immer mehr zu Wort kommen, was deren Ansichten zwar nicht richtiger leider jedoch salonfähiger macht. Diesbezüglich bedenkliche Initiativen breiten sich auch in Oberösterreich aus. Diese stellen nicht die Frage, wie die Pandemie ohne Maßnahmen bewältigt werden soll und ersparen sich damit bequem, die Suche nach Antwort(en) und Lösungen dieser komplexen Problemlage. 

Nun schreibe ich dies alles natürlich nicht ohne Grund. In der letzten Zeit hat es bei Radio FRO zwei Anlassfälle gegeben, weil sich die Redakteur*innen weder an die Haus- und Studioregeln, noch an die journalistische Sorgfaltspflicht gehalten haben.

Dies führte in einem Fall zum Entzug der Sendezeit. Weder ich noch der Programmausschuss von Radio FRO, welchem solche Entscheidungen obliegen, haben es sich bezüglich der Diskussion und Entscheidung dazu einfach gemacht.

Die Fälle wurden in mehreren Schleifen diskutiert und unter Bezugnahme und Beratschlagung von außen entschieden.

Radio FRO wird auch in weiteren Fällen die Entscheidung hinsichtlich dieser Thematik auf die Grundfeste stützen, dass Coronaleugner*innen, Verschwörungsmythiker*innen und Verbreiter*innen von Falschmeldungen keinen (Sende-) Platz auf Radio FRO haben.

Bitte nicht falsch verstehen, natürlich kann man über Ereignisse, wie Coronademos berichten, sie sind schließlich Geschehnisse in unserer Gesellschaft – aber eben nur unter Berücksichtigung der Faktenlage, dem Augenmerk der journalistischen Sorgfaltspflicht und unter Betrachtung aller vorhandenen Aspekte.

*Tragisch und alarmierend zugleich ist die Mixtur der Teilnehmer*innen solcher Demos. Gemeinsam ist diesen Initiativen und Netzwerken, dass sie einerseits mit vereinfachenden populistischen (allemal hinterfragungswürdigen) Botschaften und Heilsversprechen operieren und andererseits Vokabular und bislang positiv besetzte Symbole der Zivilgesellschaft verwenden (wie z.B. Brecht-Zitate, Lichtermeer, ja sich sogar mit Sophie Scholl vergleichen …). Sie nützen diese Methodik, um „demokratisch“ konnotiert und keinesfalls „aus dem rechten Eck kommend“ in Erscheinung zu treten.

*Ob zwischen den Zeilen, zweifelnd, subtil oder auch offensichtlich vorgebracht und/oder geteilt – es sind Beiträge zur aktiven Verbreitung von rassistischem und antisemitischem Gedankengut, wenn man Ursache und Verlauf der Pandemie dort verortet, wo es von den Rechten ganz ungeniert ausgemacht wird und wenn man zulässt, gemeinsam mit Rechtsextremen in Erscheinung zu treten. Bilder von Demonstrationen bei denen Neonazis, „unpolitische“ Normalverbraucher*innen, Nationalisten und Linke gemeinsam mit gleichen oder ähnlichen Slogans gegen Covid-Maßnahmen, Impfung und dergleichen protestieren, zeugen von dieser Entwicklung, die uns nicht egal sein darf und zu denken geben muss.

Darum der Appell hier und jetzt, achten wir gemeinsam darauf, dass diese Gesellschaft, in der wir leben, nicht von Angst und Panikmache getrieben wird. Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass wir auch noch nach dieser Pandemie in einer solidarischen und menschlichen Gesellschaft leben.

Im Anhang möchte ich noch zwei Links und eine Orientierung mittels Aufzählung zum Verschwörungsmythen-Check posten.

Des Weiteren bedanke ich mich bei meinem Team von Radio FRO, beim Verwaltungsausschuss von Radio FRO, dem Land der Freien Medien und dem Verband der Freien Medien über Hilfestellung, Diskussionen, Text den ich verwenden und anpassen durfte (*Radio Agora), das Empowerment und die gewissenhafte Beratschlagung zu diesem sehr komplexen Thema!

Bleibt gesund und respektvoll im Umgang miteinander
Mit lieben Grüßen

Michaela Kramesch

 

** Kennzeichnend für Verschwörungsmythen sind Merkmale wie:

  • das Fehlen überprüfbarer Quellen
  • der Gebrauch des Prinzips „Wem nützt es?“ ohne hinreichenden Kontext
  • die Interpretation von zeitlicher Koinzidenz als ursächliche Verknüpfung ohne hinreichenden Kontext
  • moralische Urteile ohne Tatsachenbelege
  • Verweis auf eine geheime, jeder sachlichen Nachprüfung und logischen Evaluation entzogene Interessenlage
  • Ignoranz wissenschaftlicher Ergebnisse oder ausschließlicher Gebrauch von wissenschaftlichen Einzelmeinungen
  • die Annahme, die Welt könnte von Einzelnen oder einzelnen Mächten in ihrer Totalität gelenkt werden
  • das Ersetzen gesellschaftlicher Verhältnisse durch das Handeln weniger Akteure
  • das Fehlen einer Unschuldsvermutung
  • strukturelle Übereinstimmung mit bekannten Verschwörungsmythen vorallem aus der antisemitischen Ecke
  • offene oder versteckte Anspielungen auf eine jüdische Verschwörung
  • der Gebrauch von sogenannten Dogwhistles, d. h. von Wörtern, die einen öffentlich nicht opportunen Inhalt wie etwa Antisemitismus verschleiern, für einen Kreis von Eingeweihten aber verständlich sind, wie z. B. in den USA „Ostküste“ für die angebliche Beherrschung der USA, bzw. ihrer Medien durch Juden
  • Bezugnahme auf Quellen, die durch die notorische Verbreitung nachweislich falscher Behauptungen bekannt sind.

** Merkmale Verschwörungsmythen: Radio Dreyeckland

 

Links:

FROzine
Verschwörungen und Polarisierung – Zerreisproben für die Demokratie Teil 1
Verschwörungen und Polarisierung – Teil 2 

Ein sehr informativer Beitrag unseres Infomagazines FROzine. Kollegin Sigrid Ecker, sprach mit Politikwissenschafterin Nadja Meisterhans.
Woher kommt das Phänomen Corona-Leugner*innen überhaupt? Was wollen sie? Stellen sie eine Bedrohung dar für die Demokratie? Wo endet denn Kritik, wo fängt Verschwörung an?
Ist die Corona-Debatte zu eindimensional? Wer profitiert von der Impfung innerhalb Österreichs und global gesehen?

Quarks.de:
Darum verbreiten sich Verschwörungsmythen so leicht – quarks.de

Ingrid Brodnig über ihr Buch „Einspruch“:
Erstpräsentation: “Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern” von Ingrid Brodnig

 
Di 02. Feb 2021

Overruled

Jugendliche werden von der Fremdenpolizei in Nacht- und Nebel-Aktionen und bewacht von Polizei-Hunden abgeschoben. Er kann die Justiz nicht overrulen, sagt Innenminister Nehammer und verwendet in seiner Argumentation eine durchaus sportive Sprache, die an die Zeit der Zero-Tolerance-Politics des Trump-Freunds und damaligen Bürgermeisters Rudy Giuliani im NYC der 1990er Jahre erinnert: Three-Strikes-And-You-Are-Out – ein Begriff aus dem Baseball.

Andererseits “spaziert” wenig später der verurteilte Neonazi Gottfried Küssel stundenlang durch Wien und befeuert unter dem Motto “Frieden-Freiheit-keine Diktatur” bei der per Notverordnung und nach dem Epidemiegesetz verbotenen Demonstration, nicht nur das Virus, sondern auch die Demokratie- und Pressefeindlichkeit.

Doch Nehammer soll in einem Punkt rechtbehalten: Es zeigt sich ein verheerendes Bild. Das meinten aber auch Aktivist*innen letzten Samstag in Linz.

 
Mi 11. Nov 2020

Zur Systemrelevanz von Kulturarbeit

Ein offener Brief des Kulturverein KAPU vom 10.11.2020:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Sebastian Kurz,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Andrea Mayer,
sehr geehrter Herr Bundesminister Rudolf Anschober,
sehr geehrte Mitglieder der Parlamentsklubs!

Im Zuge der Verordnungen zum neuerlichen Lockdown in Österreich wurde auch gegen die Kulturbetriebe sowie die Kunstschaffenden in Österreich ein physisches Erscheinungsverbot in der Öffentlichkeit verhängt. Im humanistischen Sinne und der Vernunft folgend, akzeptieren wir diese Entscheidung. Im Gegensatz zum Frühjahr können wir es diesmal jedoch nicht unkommentiert und widerspruchslos hinnehmen.

Warum?

Bereits Ende des Frühjahres wurde vonseiten der Bundesregierung darauf hingewiesen, dass, mit Vorausblick auf den zu erwartend schwierigen Herbst und Winter, wirksame Sicherheitskonzepte zur Vermeidung der Verbreitung von SARS-Cov2 entwickelt werden müssen, um den Kulturbetrieb aufrecht zu erhalten. Außerdem wurde von der Bundesregierung in Aussicht gestellt, für diese ohnehin originäre Aufgabe selbst Sorge zu tragen.

Basierend auf den Erkenntnissen des ersten Lockdowns, haben unzählige Kulturbetriebe Veranstaltungskonzepte entworfen, die so effektiv sind, dass mit ihnen mittelfristig ein geregelter Betrieb stattfinden konnte. Das war in sehr vielen Fällen nur unter erhöhtem Engagement unzähliger Freiwilliger, Vorsicht und Voraussicht, sowie dem Mut zum Bekenntnis, dass “die Dinge nun einmal anders sind” durchführbar.

Dies verlangte von den meisten Einrichtungen auch den Mut, ihr Publikum mit Umständen zu konfrontieren, die normalerweise diametral zum Anspruch der Einrichtung stehen, vor allem im Alternativen Kultur- und Kunstbereich. Nicht wider Erwarten, sondern aufgrund von unserem Vertrauen auf die Vernunft des Publikums, erfuhren all diese Einrichtungen positive Reaktionen und Bekenntnisse zu den veränderten Bedingungen.

Während alle Bereiche der Gesellschaft, in denen nicht konsequent Solidarität GEFORDERT und DURCHGESETZT wurde, mit Clusterbildungen und steigenden Infektionszahlen zu kämpfen hatten, konnte sich die Kulturszene als “safe spot” in der SARS-Cov2 Situation etablieren. Und zwar schlicht deshalb, weil konsequent die selbst entwickelten Konzepte durchgesetzt und eingehalten wurden.
Konzepte, die der Österreichischen Bundesregierung sogar als Blaupause für ein wirksames Konzept für ALLE ÖFFENTLICHEN RÄUME (Schulen, Büros, Kulturbetriebe und Dienstleistungswirtschaft) dienen könnten, wie zum Beispiel im Präventionskonzept von Das Werk die Lüftungsanlage mit Ionisierung, oder, als Interimslösung, mobile Ionisierungsgeräte, wie in der ZDF Heute Show vom 30.10. vorgestellt.

Darauf begründet sich unsere Fassungslosigkeit gegenüber der aktuellen Entscheidung:

Während Sie damit beschäftigt waren, alle populären Klüngel von der Leine zu lassen und weitestgehend den überholten Status Quo wiederherzustellen, haben Sie die tatsächlich und langfristig wirksamen Konzepte, die in der Kulturszene entworfen wurden, ignoriert, obwohl sie am Präsentierteller liegen!

Konzepte, die einen erfolgreichen Umgang mit der Pandemie und ihren gesellschaftlichen Konsequenzen garantieren. Nicht nur haben wir unsere Aufgabe der intellektuellen und emotionalen Erweiterung der Gesellschaft weiterverfolgt, sondern nachweislich gezeigt, dass wir uneitel, flexibel und dynamisch an die reellen Gestaltung eines neuen Alltags herangehen können. Somit leisten Kunst und Kultur hier einen greifbaren und praktisch nachvollziehbaren Beitrag zu einer positiven Entwicklung unserer Gesellschaft. Den wirtschaftlichen Nutzen weitgehend ungestörter öffentlicher und privater Betriebe brauchen wir hier nicht auch noch vorzurechnen.

Wenn Sie, Herr Bundeskanzler, also von “Kulturverliebtheit” so abschätzig sprechen, sollte das eigentlich mit Dankbarkeit verknüpft sein, denn wir Kulturbetriebe lieben tatsächlich unsere Gesellschaft, in aller Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Unser Erfolg basiert auf Respekt. Denken Sie darüber nach und staunen Sie.

Hochachtungsvoll,
Kulturverein KAPU

links:
https://www.daswerk.org/covid-19-praeventionskonzept-2-0/
https://www.zdf.de/comedy/heute-show/heute-show-vom-30-oktober-2020-100.htm

zur Systemrelevanz von Kunst und Kulturarbeit:
https://www.youtube.com/watch?v=uohOnYX3ZaM

 
Sa 24. Okt 2020

Medien zwischen Wandel, Krise und Chancen

Vorweg- den Medienwandel hat es immer gegeben. Nehmen wir als Beispiel die Einführung des Buchdrucks, des Radios oder Fernsehens. Auch damals hat die ältere Generation wahrscheinlich zuerst gezögert, die mittlere war teilweise an Bord und die Jungen, die damit aufwuchsen, für die war es normal, die waren into it.

Natürlich ist viel passiert seither und das immer schneller! 

Der technologische Schritt zu einer online global vernetzten Welt war natürlich ein riesiger. Die Erfindung der Sozialen Medien, den es erst zu verarbeiten und dessen Schattenseiten zu bewältigen gilt- ein gewaltiger. Im Printbereich wie im Rundfunk ist seit längerem eine wachsende Medienkonzentration im Gange. Große Medienkonzerne werden immer dominanter. Parallel dazu verschieben sich die Werbeausgaben von der Presse ins Internet, die Zeitungsnutzung ist rückläufig und auch der lineare Medienkonsum verliert immer mehr an Bedeutung.

Macht das was mit den nichtkommerziellen, den Freien Medien?

Eher nicht. Heute schauen immer mehr Menschen dann fern und hören Radio, wenn es in ihren Zeitplan passt. Sie richten sich nicht mehr nach der Vorgabe eines Senders, sondern suchen gezielt in den Archiven. Das trifft die kommerziellen, auf Werbung angewiesenen Medien hart. Nicht so die Freien, die generell werbefrei zu sein haben.

Freie Radios haben schon sehr früh mit einem Podcast-System begonnen. Seit 2000 gibt es das Cultural Broadcasting Archive (CBA)- ein Archiv, für alles Produzierte zum Nachhören. Wir profitieren eher vom Podcast-Aufwind.

Auch was die Medienkonzentration angeht spielt uns die Entwicklung in die Hände, denn dadurch schätzen die Leute noch mehr unsere Unabhängigkeit.

Immer mehr

Doch auch wir sind Kinder dieser Zeit und wollen gehört werden. Wir agieren schließlich in einer Nische. Daher müssen wir als Produzent*innen  auch  zumindest ein Stück weit dem Zeitgeist entsprechen. Das machen wir unter anderem durch die schon vor einigen Jahren begonnene Öffnung im Bereich der Crossover-Medien-Produktion (also Audio/Video/Text).

Es geht bei uns zwar nicht um die Verkleinerung der Redaktionen und um Schaffung von kostengünstigeren Nachrichtenzentralen, aber ein*e Redakteur*in des Infomagazin FROzine von Radio FRO macht heute nicht nur eine Radiosendung. Es braucht auch einen Blogeintrag (also Text und Bildsprache). Bei Talks wird aus dem Ton- auch ein Fernsehstudio. Ankündigungs-Videos mit dem Smartphone sind zu produzieren. Die Sendung soll natürlich auch auf möglichst vielen Kanälen und im Netz, den Sozialen Medien und sonst wie beworben werden. Es soll am besten mit der Crowd in Kommunikation getreten werden.

Das entspricht wohl sicher einer Verdoppelung des Arbeitsaufwands- was sich monetär natürlich nicht entsprechend ausgleichen lässt, weil die Förderungen unseres Sektors ja seit Jahren sinken, nicht steigen.

Der Neoliberalismus und die damit einhergehende Ausbeutung und Optimierung des eigenen Selbst, hat also auch bei uns Einzug gehalten. Freilich gehen wir mit einer anderen Haltung heran, als viele der Medienhäuser.

Medienkrise?

Der heutige Journalismus hat sich verändert durch das Ausrichten an höheren Gewinnen. Das bringt eine höhere Orientierung am Massenpublikum mit sich. Damit geht die verstärkte Skandalisierung und Personalisierung in der Politikberichterstattung einher. Der gestiegene Entertainment-Anspruch lässt viele eher von einer Medienkrise als vom Wandel sprechen. 

Indirekt übt das auch Druck auf die Freien Medien aus. Stichwort: Nutzungsgewohnheiten. Da wir gehört werden wollen, müssen wir uns auch teilweise am Zeitgeist orientieren. Oder die Kraft aufbringen uns zu verweigern und eigene Wege zu gehen. Die Unabhängikeit von wirtschaftlichen Zwängen ermöglicht diese eigenen Wege.

Außerdem sind Community-Medien lokal verankert. Im Konkreten, der Lokalität liegt eine Stärke. Sie sind offen: Wer sich selbst in diesem Rahmen eine Stimme geben will, bekommt die nötige Unterstützung, Aus-und Weiterbildung und Infrastruktur zur Verfügung gestellt. 

Können Community-Medien ein Prototyp einer redaktionellen Gesellschaft sein? Es können online heute ja die meisten Menschen publizieren- aber ohne redaktionelle Richtlinien erzeugt diese Freiheit leider eben auch Polarisierung, Hatespeech und Sybermobbing etc. 

Doch Freie Medien geben einen Rahmen. Es wird ein Mehrwert für die Demokratie geschaffen durch das Zusammenspiel der drei Ebenen: Produzent*in (kreative Person) – Community – und Öffentlichkeit.

Apropo Demokratie

Eine zentrale Frage lautet doch seit jeher:

Wie muss die Medienlandschaft einer Demokratie beschaffen sein, dass sie zu deren Stärkung und zu Entwicklung und Wandel einer Gesellschaft beiträgt?Dafür braucht es Medien-Vielfalt. Das bedeutet, dass es möglichst viele unterschiedliche Player in möglichst vielen verschiedenen voneinander unabhängigen ökonomischen Händen braucht: öffentlich-rechtliche, nicht-kommerzielle, privat kommerzielle.

Und das macht deutlich, wie wichtig auch kleine Fische sind, die gegen den Strom schwimmen, die abseits der medialen Showbühnen ihrer Arbeit nachgehen. Das ist vergleichbar mit der Landwirtschaft: es ist wichtig, dass es möglichst viel kleinteilige Betriebe gibt, nicht nur große Agrarkonzerne, wenn wir Unabhängigkeit und Vielfalt gewährleisten wollen.

Grundsätzlich jedenfalls stellen Medien Öffentlichkeit her und sind damit von zentraler Bedeutung in einer Demokratie. Medien sind als sogenannte vierte Gewalt zuständig für Kontrolle der Politik. Doch es kommt zunehmend zu Rollenverschiebungen. Das Demokratiezentrum Wien sagt, dass es in der heutigen Mediengesellschaft statt der früheren Trennung von Politik und Medien, immer mehr zu einer Überlagerung der beiden Systeme komme.

Diese Entwicklung wird in der Wissenschaft auch als Mediendemokratie bezeichnet, die nach Thomas Meyer die Parteiendemokratie, in der die wichtigsten Entscheidungen von Parteien getroffen wurden, abgelöst habe. Mediendemokratie zeichnet sich nach ihm durch eine „professionelle Selbstmediatisierung der Politik nach den Regeln theatraler Inszenierungslogik“ aus. Während in der Parteiendemokratie die Medien die Politik beobachten sollten, beobachten nun die politischen Akteure das Mediensystem, um von ihm zu lernen, wie sie die Kontrolle über die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zurückerlangen. (Zitat von der Website)

Schattenseiten der Kommerzialisierung des www

Doch heute stellen nicht nur Medien Öffentlichkeit her, sondern auch Social-Media-Anbieter. Politiker*innen berufen sich auf die sogenannte öffentliche Meinung aus Sozialen Medien und richten ihr Wirken danach aus. Unabhängig davon, ob nur einige wenige laut schreien oder ob es tatsächlich ein Diskurs der vielen ist.

Die einseitige Politisierung durch mediale Echokammern schafft Gegensätze in der Gesellschaft. Hier entgegenzuhalten ist für jede*n einzelne*n entscheidend, wie auch für alle Medien- und seien sie noch so klein, was die Reichweite betrifft.

Auch Freie Medien müssen sich immer wieder die großen Fragen stellen: Wie machen wir das bestmöglich? Bedienen wir uns beispielsweise der Sozialen Medien der großen Plattformen und den Big Playern wie Google, Youtube etc. um ihren negativen Auswirkungen gleichzeitig entgegenzuhalten- oder nicht? Welche Art von Gegenwirklichkeit können wir im Bereich Creativ Commons erzeugen?

Denn das World Wide Web hat ohne Zweifel eine Demokratisierung der Meinungsäußerung gebracht und ein Zusammenwachsen der Welt, aber es bringt auch gleichzeitig eine neue Bedrohung für Demokratie und Menschenrechte mit sich. Echokammern, Algorithmen, die Ökonomisierung von Daten, um nur einiges zu nennen, stellen uns vor große Herausforderungen.

Freie Medien sind niederschweflige Kompetenzzentren, in Ausbildung und Produktion. Darum braucht es sie noch, obwohl ohnehin jede*r im Internet publizieren kann. Und solange es keine Alternativen zu FB, Twitter, Insta und Co gibt, muss man sich dieser Plattformen bedienen, um sich der Gesellschaft näher zu bringen und an diesem Diskurs teilzuhaben. Allerdings nehmen wir das nicht auf die leichte Schulter und versuchen unseren Teil beizutragen damit rasch sinnvolle Regelungen geschaffen werden, die Demokratie und Gemeinwesen stärken.

Vielfalt und Teilhabe

Was auch viel mit Demokratie zu tun hat, ist wie gut eine Gesellschaft die ganze Bandbreite von Bürger*innen in den Medien abbildet und am öffentlichen Diskurs teilhaben lässt. 

Freie Medien, wie Radio FRO stellen jedenfalls eine Integrationsmöglichkeit und Sprachrohr für Minderheiten wie Migrant*innen dar. Einerseits bekommen sie in der Medienberichterstattung Raum, wodurch sich soziale Vorurteile und vielleicht sogar Diskriminierungen abschwächen lassen. Andererseits können Minderheiten auf einfache Art und Weise selbst zu Medienmacher*innen werden.

Konstruktiver Journalismus

Innerhalb von Radio FRO beschäftigen wir uns noch mit einem etwas anderen Wandel: Die Berichterstattung zwischen 2015 und heute über die Fluchtbewegungen durch den Krieg in Syrien machen gut deutlich, dass Medien Meinung machen, selbst wenn sie nur abbilden. Denn indem ich immer wieder über Probleme und Katastrophen berichte, verstärke ich diese- wenn vielleicht auch ungewollt.

Daher heißt für mich ein wichtiger und dringend nötiger Medienwandel, den wir im FROzine schon des Längeren anstreben: Konstruktiver Journalismus. Wir streben dabei das Abbilden von Lösungs- und Heilungsprozessen und Handlungsspielräumen an- weg vom Sensations- und Dramaturgie-Journalismus.

Abschließend sei zu sagen: Freie Medien sind wichtiger denn je! Da von undemokratischen Kräften gerade versucht wird auch diesen Begriff einzunehmen sei an dieser Stelle noch klar festgehalten: damit sind nicht-kommerziell agierende Community-Medien gemeint, die in ihrer Ausrichtung ein klares Bekenntnis zu den Menschenrechten (der Vereinten Nationen) haben.

Es braucht viel Ressourcen für Lobbying bei der Politik, damit die das auch erkennt und Förderungen bereit stellt.

 
Di 30. Jun 2020

Mehr Öffentlichkeit?!

Das Erscheinen der neuen KUPFzeitung unter dem Titel „MEHR“ nahm die Kulturplattform Oberösterreich zum Anlass für eine digitale Diskussion zu „Mehr Öffentlichkeit?!“ für Kunst und Kultur. Ich wurde eingeladen einen Impuls beizusteuern….

Mehr Öffentlichkeit?! Kulturelle Zumutungen anlässlich Corona.

Die Frage nach MEHR Öffentlichkeit zu stellen, bedeutet grundsätzlich mal die Frage nach Wachstum zu stellen. 

Alles wächst

Wenn ich an Wachstum denke, fällt mir neben Kapitalismus Natur ein. Sie ist üppig nach dem Ende des Winters. Alles wächst und sprießt, Vielfalt entsteht. Nichts bleibt ungenützt. Es ist ein Miteinander, manchmal auch ein Gegeneinander.

Doch die Pflanzen rings um mich wachsen nicht ins Unendliche. Ein Baum wächst bis zu einer bestimmten Höhe. So wie auch Tier und Mensch, wird er nicht stetig höher. Wie der Baum weiß, wann er zu wachsen aufhören soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber der Baum- oder die Natur- weiß es offenbar. Genau diese Parameter muss die Politik für das wirtschaftliche Wachstum des Menschen festlegen. Wachstum braucht Begrenzung in einer Welt mit endlichen Ressourcen. Das ist ein natürliches Prinzip, über das sich der Mensch hinweg gesetzt hat und so den Planeten vernichtet.

Über das Zuviel

Es ist nicht einfach das richtige Maß des GENUG zu finden. Sich nicht überessen im Überfluss. Der Kaufsucht widerstehen. Der permanenten Ablenkung und Zudröhnung entgegen halten. Wir haben in Österreich von allem sehr viel. Nicht für alle, aber die meisten. Wenige haben noch viel mehr. Es gibt Länder, da haben sie von allem zu wenig. Wir schaffen den Ausgleich nicht. Im Gegenteil- das exponentielle Wachstum, auf dem unser Wirtschaftssystem beruht und das Streben des Menschen nach immer MEHR, spitzt die Spannungsfelder zusehends zu. VIEL Konsumgüter, Viel Müll, viel Lärm, viel Geschwindigkeit, viel Dreck, viel Information, viel Bewegung, viel Kommunikation, viel Essen, viel Trinken, viel Kultur- kann es ein ZUVIEL an Kunst und Kultur geben?

Wer oder was ist zuviel? Darauf gibt man vielleicht vorschnell eine höchst subjektive Antwort. Im Bereich des Radiomachens zum Beispiel: Sollen die Zugriffszahlen bzw. die Einschaltquoten darüber entscheiden wer und was gesendet und produziert wird? Hat ein Satz nur Berechtigung gesprochen zu werden, wenn er gehört wird? Oder ist es nicht gerade das Charakteristikum für Kunst und Kultur Dinge zu sagen oder zu erschaffen, weil sie gesagt oder erschaffen werden müssen? Andererseits ist ein Produzieren um des Produzieren Willen gerechtfertigt in einer Welt des Überflusses?

In den Freien, nicht kommerziellen Medien haben wir den Luxus uns nicht nach Einschaltquoten oder privatwirtschaftlichen Sponsoring richten zu müssen. Dieser Luxus hat das Präkariat im Gepäck. Es gibt immer weniger öffentliche Förderungen für immer mehr Arbeit. Trotzdem sind wir getrieben vom MEHR: mehr Kooperationen, mehr Projekte, mehr Verbreitung der Inhalte. Dieses MEHR führt unweigerlich zum WENIGER auf der Seite der persönlichen Ressourcen und des Stundenlohns letztendlich.

Über das Zuwenig

Um wieder zum anfänglichen Vergleich mit der Natur zurückzukehren. Wir leben in einer faszinierenden Umwelt von Kreisläufen und Ausgleich. Der Mensch stellt eine große Herausforderung dafür dar. Würden wir dieses natürliche System wirklich verstehen, wie könnten wir es auf unsere menschliche Existenz umlegen? Wie könnten wir das Wachstum fördern und es gleichzeitig begrenzen? Wie das Miteinander und die Vielfalt an erste Stelle bringen im Sinne eines Leben und Lebenlassens, auch wenn es in manchen Situationen und Bereichen ein Gegeneinander gibt, womöglich braucht? 

Öffentlichkeit

Sind bedingungsloses Grundeinkommen und Fairpay bloß unrealistische Sozialromantik- oder doch grundlegende Elemente eines größer zu denkenden Plans, um die Menschen aus der kapitalistischen Wachstumssackgasse zu holen? Dafür braucht es jedenfalls eine starke Zivilgesellschaft. Diese lebt von der Öffentlichkeit.

Sie ist ein Kernelement von Demokratie – sie ist aber nicht automatisch ein Querschnitt der Meinungen und Wünsche des Volkes. Das Internet und mit ihm die Social Media haben den Öffentlichen Raum um ein Spielfeld erweitert. Ob sie zur Demokratisierung oder eher dessen Gegenteil beitragen hängt wieder von der Begrenzung – den Spielregeln ab, die es noch zu finden gilt. Jedenfalls ist es wichtig, möglichst viele verschiedenen Möglichkeiten des Austauschs untereinander zu bewahren und pflegen. Es braucht unterschiedliche Möglichkeiten und Anreize, die kommunikativen Blasen zu verlassen: ein möglichst vielfältiges Mediensystem von großen und kleinen Playern und allem dazwischen, eine lebendige Kunst- und Kulturszene. Und verstärkte zivilgesellschaftliche Einbindung in die Politik.

Noch eine Frage zum Schluss: Kann es ein Zuviel an Öffentlichkeit geben? Fest steht, dass es ein Zuwenig an Transparenz und Vielfalt geben kann.