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Ergo

Ergo #6: Automatismen und Architektur I

Erster Teil eines Gesprächs mit dem Architekturtheoretiker Oliver Schürer

Beim Wort „Automatisierung“, denken die meisten Menschen wahrscheinlich an Produktionsanlagen und weniger an Architektur. Zwar sind Fabrikhallen Gebäude, die bestimmte technologische Voraussetzungen erfüllen müssen – dieser Aspekt verschwindet aber oft hinter den in ihnen beherbergten Maschinen. Im Falle von Wohngebäuden hat sich dies spätestens mit der Verbreitung der Idee von „smart houses“ geändert, beziehungsweise ihrer Erweiterung auf den Maßstab von „smart cities“. Der Architekturtheoretiker Oliver Schürer hat dem Verhältnis von Automatismen und Architektur ein ganzes Buch gewidmet und sich bereit erklärt, in Gesprächsform einige Fragen zum Thema zu beantworten.Eine grundlegende These Oliver Schürers ist die, dass Architektur eine wichtige Rolle bei der Verankerung von Technologien im Alltag hat:

Ihm zufolge ist sie ein probates Mittel, um Technologien soziokulturell akzeptabel, vertraut, hinreichend und notwendig zu machen. Sie sorgt dafür, dass Technologien letztlich im Gewebe des Selbstverständlichen verschwänden.

In diesem ersten Teil geht es einerseits um dieses Moment der Selbstverständlichkeit von Technologie und wie Architektur diese in den Alltag einbringt. Ein Punkt ist dabei der, dass Technologien zur Automatisierung bei der architektonischen Gestaltung zwar bewusst eingeplant werden, gesellschaftlich aber eine Bedeutung erlangen können, die nicht unbedingt intendiert ist. Automatismen überantworten menschliches Handeln an abstrakte Wirkungszusammenhänge in denen sich eine eigene Logik entfaltet, deren Parameter nicht vorhersehbar sind – sie entwickeln sozusagen ein Eigenleben. Anders formuliert bedeutet dies, dass Automatismen in Widerspruch zu Kardinaltugenden der Architektur stehen, wie der bewussten Gestaltung von Raum, rationaler Planung geregelter Prozesse und der Einflussnahme auf soziokulturelle Geschehnisse. Das Operativ-Setzen von Automatismen bestimmt oder eliminiert die Rolle menschlicher Agenten durch Technologien.

Da der Begriff Automatismen für Oliver Schürer aber weit über die technologischen Aspekte im engeren Sinn hinausgeht, erläutert er ihn zu Beginn genauer. Im Anschluss geht es um die Maschinenmetaphorik in der Architektur, wie sie in Le Corbusiers Ausspruch auf den Punkt gebracht ist, wonach ein Haus eine „Maschine zum Wohnen“ sei. Oliver Schürers betont vor allem auch die Rolle der Architekturschaffenden: Schließlich sind sie es, die neue Technologien implementieren.

 

Literatur:

Schürer, Oliver; Automatismen und Architektur; Wien/New York; 2012 

 

Gestaltung:

Claus Harringer 

 

Zuletzt geändert am 07.11.15, 00:00 Uhr

Verfasst von Claus Harringer

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Gesendet am Mo 16. Nov 2015 / 17 Uhr

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