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Ergo

Ergo #17: (Non)-trivial Errors

Sendung über kleine Fehler in Zitationsdatenbanken und deren große Auswirkungen. Zu hören ist ein Interview mit Dr.in Terje Tüür-Fröhlich zu ihrem Buch darüber.

 

Diese Ausgabe beschäftigt sich mit einem Thema, das – wie schon bei zwei anderen Sendungen zuvor – im Bereich der Wissenschaftstheorie angesiedelt ist. Wie diese beiden hat es ebenfalls mit dem Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie der JKU zu tun. Diesmal ist der Anlass allerdings eine neue Publikation, weshalb diese Sendung auch ein wenig den Charakter einer Buchrezension mit Autorinnengespräch hat.

Der eben erschienene Band 69 der Reihe „Schriften zu Informationswissenschaft“ im Verlag Werner Hülsbusch stammt von Dr.in Terje Tüür-Fröhlich und trägt den Titel „The Non-trivial Effects of Trivial Errors in Scientific Communication and Evaluation.“ Auf den ersten Blick scheinen sowohl Titel, als auch Gegenstand dieser Dissertation – nämlich endogene Fehler in Zitationsdatenbanken – kaum dazu geeignet, Menschen zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu bewegen, die sich nicht mit Wissenschaftstheorie oder Informationswissenschaft beschäftigen.

Kurz: Das ganze scheint eine esoterische Angelegenheit für eingeweihte Kreise zu sein, in denen über Detailfragen des Wissenschaftsbetriebes debattiert wird. Elfenbeinturm pur und für Außenstehende nicht nachvollziehbar.

Zum einen ist es aber so, dass Terje Tüür-Fröhlich ihre doctoral thesis nicht – wie durchaus üblich – in mehrere Artikel portioniert hat und deshalb auf gut 120 Seiten auch Platz findet, relevante Begriffe und deren Hintergründe angemessen zu erläutern.

Zum anderen sind die Probleme, um die es geht, auch deshalb leichter nachvollziehbar, weil die Wissenschaft Teil der Gesellschaft ist: Zwar funktioniert sie nach einer eigenen Logik – überlagert und durchdrungen ist sie aber von allgemeineren Prozessen und Mechanismen, die diese Regeln mitstrukturieren und beeinflussen.

Die Fragen, um die es im Gespräch geht, sind folgende:

* Was sind triviale Fehler und wo kommen sie her? 

* Warum sind ihre Auswirkungen letztlich nicht trivial?

* Für welche Personen und Disziplinen sind die Folgen besonder spürbar?

 

Es geht vermittels dieser Fragen um Themen wie die Evaluation von Wissenschaften, die Wissenbilanz mit ihren „Leistungsvereinbarungen“,   die Monopolstellung des Medienkonzerns Thomson Reuters mit seinen Zitationsdatenbanken, die damit einhergehende Reduktion wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Benachteiligung der Sozialwissenschaften, die mittelbare Diskriminierung von Wissenschaftlerinnen, sowie die unmittelbare von Autor_innen, deren Namen nicht ASCII-kompatibel sind. Außerdem erläutert Terje Tüür Fröhlich die spezielle Methode, mit der sie an das Thema herangegangen ist und gibt abschließend einige Empfehlungen zur verbesserung der Situation.

In der Rubrik Begriff der Woche geht es um den „Journal Impact Factor“ (JIF).

Manche – durchaus relevanten – Themen haben leider keinen Platz gefunden, wie etwa die Probleme, welche durch mangelhafte Parsingsoftware verursacht werden, die Entstehung von „Zombie-Referenzen“ und „Phantomautor_innen“, sowie die Auswirkungen „trivialer“ Fehler auf den „h-Index“.

Um das Bild einigermaßen zu komplettieren, seien folgende Texte empfohlen:    

Fröhlich, Gerhard (2003): Gegen-Evaluation: Der Impact-Faktor auf dem
Prüfstand der Wissenschaftsforschung. BUKO INFO 2003 (1-4), 61-65

Tüür–Fröhlich, Terje (2014a): „Needless to say my proposal was turned down“. The early days of commercial citation indexing, an „error-making“ (Popper) activity and its repercussions till today. Theory of Science 36 (2), ISSN 210-0250, 155-180

Eine schöne Zusammenfassung einiger Probleme findet sich auch auf scinoptica.

 

Gestaltung:

Claus Harringer

 

Zuletzt geändert am 09.01.17, 00:00 Uhr

Verfasst von Claus Harringer

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Gesendet am Mo 16. Jan 2017 / 17 Uhr

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