13a60cb682e4bb3da538196726dc86ca.jpg Volkmar Baurecker
Reise! Reise!

Hostel braucht das Land!

Wiederholung der Sendung vom 3. Januar 2017.
Auf meinen Reisen in der Welt habe ich den Charme von Hostels und das Wohlbefinden darin schätzen gelernt. Während in vielen Ländern der Welt diese schlichten, auch für Menschen mit wenig Geld leistbaren Herbergen Hostels in hoher Dichte entstanden sind. Von Österreich kann man das nicht behaupten. Der Bedarf wäre gegeben.

Ich halte die Marktgemeinde Ottensheim für einen guten Hostel-Standort.

Durchwegs zustimmenden Antworten bekomme ich bei Straßenumfragen in der Marktgemeinde. Die guten Gründe dafür sind vielfältig und gewichtig.

Wer die Freiheit sucht, dem Zufall vertraut und dem/der die Vielfalt was bedeutet, wer wirklich leben will in der Begegnung – sucht immer wieder mal das Weite.

Wer es satt hat, ständig verplant zu sein, wer bemerkt – durchgetaktet von den gegeben erscheinenden täglichen Umständen – dass ihm/ihr die Lebensfreude verkommt, der/die verreist rechtzeitig.

Und genau hier lauert schon die erste Falle. Reiseliteratur und Reiseveranstalter kennen die besten Destinationen der ganzen Welt. Sie wissen von allen „Must-Do’s“. Sie überblicken alle Billigflüge, Hotelarrangements und Kreuzschifffahrts-Events. Dazu Frühbucherrabatte und Last-Minute-Angebote – schon ist man wieder gefesselt. Die Begegnung mit der Welt wird wieder durchgetaktet sein. Sie besorgen dir alles, dir, der du dich zum Ausbrechen aufmachst. Ehe du dich’s versiehst, hast du ein Ticket in der Hand, ein Zimmer im Luxushotel und einen Platz am Sandstrand.

Es kann nichts schief gehen. Und wenn – du hast Schadensersatzanspruch. Schließlich hast du doch bezahlt!

„Ist das die Freiheit, die ich meinte?“

Wer die Falle voraussieht, plant lieber wenig, packt kurzer Hand Rucksack oder Reisetasche und macht sich auf den Weg. Jeden Schritt spontan und frei entscheiden. Jeden Morgen das Ziel des neuen Tages – sollte überhaupt eines gewünscht sein – aufspüren. Dem Zufall Zeit und Raum geben. Neuen Begegnungen sich öffnen. Dem Fluss der Reise vertrauen. Vorgebuchtes minimieren. Frohgemut die Freiheit annehmen, die auf der Straße liegt. Dorthin gehen, wohin es mich wahrhaft zieht, oder da bleiben, wo ich schon bin.

In noblen Unterkünften zu residieren, die den Standard der eigenen Wohnung weit überragen, ist nicht akzeptabel für Menschen, die trachten, das Gewohnte hinter sich zu lassen.

Geld begrenzt die Freiheit. Freitsliebende weichen solche Grenzen auf, denn sie tauschen zuzukaufende Fremdleistung gegen eigenverantwortliches Denken und Tun. Wer billig reist, reist länger. Man findet Gratisschlafplätze. Sie sind in caritativen Einrichtungen auffindbar. Privatpersonen bieten Couchsurfing an. Manchmal tut es ein Wartesaal. Bei günstigem Wetter kann die Nacht am Strand eine wunderschöne Erfahrung sein. Weniger spartanisch sind die Herbergen entlang der Pilgerwege – und – die Hostels.

Vor 3 Jahrzehnten ist – zuerst in anglophonen Ländern wie Kanada, Australien und Neuseeland – die Hostelidee entstanden. Was das genau ist, werden wir in den folgenden Interviews hören. Viele Hostels gibt es inzwischen in vielen Ländern der Erde. In Österreich hingegen sind die schlichten, leistbaren Unterkünfte für Menschen mit Low-Budget dünn gesät. Viel zu dünn, nach meiner Einschätzung.

Zurückgekehrt von einer mehrwöchigen Reise und neuerlich verwöhnt vom Charme der Hostels auf der iberischen Halbinsel und auf den Kanaren, habe ich – mit Fokus auf Ottensheim – gewusst:

Hostels braucht das Land!

 

Zuletzt geändert am 09.01.17, 00:00 Uhr

Volkmar Baurecker

Verfasst von Volkmar Baurecker

zur Autorenseite
Gesendet am Di 17. Jan 2017 / 16 Uhr

Schreibe einen Kommentar