Felix Stalder: Eine andere KI ist möglich
Der Kulturwissenschaftler Felix Stalder über digitale Öffentlichkeit und die Kultur der Digitalität und die aktuelle Debatte um das Google-Rechenzentrum in Kronstorf.
Wie verändern Plattformen, Algorithmen und Künstliche Intelligenz unsere Kommunikation? Und müssen wir die digitale Welt so hinnehmen, wie sie heute von wenigen großen Technologiekonzernen geprägt wird?
Im Rahmen des ARS-Festival-Radio-Schwerpunkts spricht Redakteur Michael Diesenreither mit dem Kulturwissenschaftler Felix Stalder. Er ist Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste und Autor des Buches Kultur der Digitalität. Felix Stalder war zu Gast beim Kunstfestival Stwst84 der Stadtwerkstatt und hat auch eine Rede bei der Demonstration gegen das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf beigesteuert.
Von Plattformen zu generativer KI
Was ist aus der Hoffnung geworden, das Internet könne mehr Beteiligung, dezentrale Öffentlichkeit und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen? Heute läuft ein großer Teil unserer Kommunikation über wenige kommerzielle Plattformen. Algorithmen entscheiden mit, was sichtbar wird, was Reichweite bekommt und worüber gesprochen wird.
Mit generativer KI bekommt diese Entwicklung eine neue Dimension. Algorithmen sortieren nicht mehr nur Kommunikation, sondern produzieren selbst Texte, Bilder und andere Inhalte. Damit stellen sich auch alte Fragen nach Vorurteilen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen neu: Was passiert, wenn KI-Systeme stereotype Zuschreibungen aus ihren Trainingsdaten übernehmen? Und verändert es unsere Wahrnehmung, wenn ein Vorurteil nicht von einem Menschen ausgesprochen wird, sondern als scheinbar neutrale Antwort eines technischen Systems erscheint?
Gleichzeitig geht es um die Frage, wem die Infrastruktur hinter der KI gehört und nach welchen Interessen sie entwickelt wird. Für Stalder ist die derzeitige Entwicklung keineswegs alternativlos. In seinem aktuellen Beitrag Eine andere KI ist möglich argumentiert er, dass es nicht um ein simples Für oder Gegen KI gehe, sondern darum, wie diese Technologie gesellschaftlich ausgestaltet wird.
Was passiert mit der digitalen Öffentlichkeit?
Ein weiterer Schwerpunkt ist die politische Kommunikation im Netz: Welche Rolle spielen Plattformlogiken bei Hass, Polarisierung und der Verschiebung gesellschaftlicher Diskurse nach rechts? Und was bedeutet das für Medien, die zwar auf Facebook, Instagram oder TikTok Öffentlichkeit herstellen, deren Regeln dort aber kaum selbst bestimmen können?
Dabei geht es auch um Freie Medien und die Stadtwerkstatt: Können nicht-kommerzielle Medien andere Formen digitaler Öffentlichkeit schaffen – gemeinschaftlicher, unabhängiger und demokratischer organisiert?
Blogbeitrag von Felix Stalder: Eine andere KI ist möglich
Moderation: Michael Diesenreither
Zuletzt bearbeitet am 24.09.26, 22:26 Uhr
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