90b3b3d3573dabf6db0ffa91b014b3dd.jpg
FROzine

Demokratie, welche Demokratie? – Teil II

Als Nachhall der Tagung des ICAE am 1. und 2.12. in Linz bringen wir heute zwei Beiträge, die sich unter anderem den Vorträgen von Ingolfur Blühdorn und Bob Jessop widmen. Blühdorn als Soziologe kritisiert den Postdemokratiebegriff Colin Crouch´s als zu "schwach", Jessop hingegen fragt ob es Postdemokratie nicht auch schon in der Demokratiekritik aus marxistischer Perpespektive gegeben hat und stellt die Hüllenfunktion der Denokratie für den Kapitalismus auf den Prüfstand.

De Tagung des ICAE hat sich ja zum Ziel gesetzt, den Befund einer „Postdemokratie“ nach Colin Crouch bzw. der „Degeneration der Demokratie“ nach Tony Judt kritisch zu hinterfragen.

Ingolfur Blühdorn, Universitätsprofessor für Politik und politische Soziologie an der „University of Bath“, kritisierte beispielsweise in seinem Vortrag Crouch's Konzept der „Postdemokratie“ als analytisch (zu) „schwach“ und unternahm den Versuch, diesem einen soziologisch „starken“ Begriff von „Postdemokratie“ entgegenzusetzen.

Im Interview von Christoph Srubar mit Ingolfur Blühdorn ist nun zu hören, was er sich von jenem „starken“ Begriff der „Postdemokratie“ verspricht, warum er „flüchtige Identitäten“ als eine wesentliche Ursache der Misere ansieht, und schließlich, was die „Grüne Partei“ (in Deutschland) in einer derart analysierten Gegenwart für eine Rolle spielt.

Auch Bob Jessop, Soziologie, (marxistischer) Ökonom uns Staatstheoretiker, war zu Gast im Rahmen der ICAE Jahrestagung „Demokratie! Welche Demokratie? Postdemokratie kritisch hinterfragt“. Im Rahmen seiner Teilnahme hat er am 2.12.2011 einen Vortrag gegeben, in dem er Postdemokratie kritisch beleuchtet hat und unter anderem der Frage nachgegangen ist, was Postdemokratie definiter und was davon neu ist bzw. schon in der primären Demokratiekritik, etwa aus marxistischer Perspektive, oder aus dem Blickwinkel von Lenin, Paschukanis oder auch Webers schon formuliert worden ist. Dieser historisch kritische Streifzug bzw. diese Spurensuche erschöpft sich aber keineswege darin die Innovation des Begriffs Postdemokratie, nach Crouch, zu überprüfen, vielmehr wird auch die Hüllenfunktion der Demokratie für den Kapitalismus beleuchtet und hinterfragt, und darüberhinaus zur Diskussion gestellt, inwiefern es eine Achse, bzw. ein Kontinuum zwischen liberaler, formaler Demokratie und Diktatur gibt. Oder kurz: Wie der Wandel des Kapitalismus in seinen Erscheinungsformen, auch den Wandel der Diktatur, in ihren Erscheinungsformen mitbedingt. So formuliert Jessop einmal ein Zitat von Stanley Moore (1957), das den Titel des Beitrags ergeben hat: „Wenn die Ausbeutung die Form des Austauschs annimmt, tendiert die Diktatur dazu die Form der Demokratie anzunehmen“. Michael Schweiger hat dazu einen Beitrag gestaltet.

Moderation: Daniela Schopf

Zuletzt geändert am 12.12.11, 00:00 Uhr

Verfasst von Daniela Schopf

zur Autorenseite
Gesendet am Mo 12. Dez 2011 / 18 Uhr

Schreibe einen Kommentar