Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie
Wir übernehmen den Übertragungsmitschnitt von Freirad Innsbruck vom 9.10. aus der pmk. reclaim:your:club // club:against:reality: „Candy Girls - Sexismus in der Musikindustrie“ Lesung und Gespräch mit Sonja Eismann. Eine Veranstaltung des Kulturkollektivs ContrApunkt.
Die Musikindustrie – das große Versprechen von Freiheit, Authentizität und Empowerment. Doch was steckt hinter den Kulissen? In ihrem neuen Buch „Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie“ (Edition Nautilus) legt Sonja Eismann offen, wie tief Sexismus, Misogynie und Machtmissbrauch im Pop:Business verwurzelt sind – gestern wie heute.
So wütend wie luzide zieht die Kulturwissenschaftlerin, Publizistin und Mitbegründerin des Missy Magazine Bilanz: über den male gaze im Pop, über adoleszente Starlets und alternde Ausnahmekünstler:innen – und über die Frauen, die sich dagegen wehren.
Aus dem Buch: »Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« – Christiane Rösinger Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche.
Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt. In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat.
Zuletzt bearbeitet am 23.10.26, 11:35 Uhr
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