Kunst und Kultur
Wir sind Perlentaucher. Und manchmal stellt sich
die Frage,
wo so ein im
Strom der Gezeiten angefundenes
Kleinod (die wir in unseren Radiobiotopen gern vorstellen) ursprünglich herkommt.
Höchste Zeit für eine Berichtigung. Die Rede ist von dem sehr besonderen Album
“O. K.!” von Scheiterhaufen, das auch wir immer wieder
fälschlicherweise einem
gleichnamigen DJ-Kollektiv aus dem
Salzburger Innergebirg zugeordnet haben. Nachdem wir uns unlängst
entschieden hatten, dieses
fürwahr außergewöhnliche Werk endlich einmal in seiner ganzen Gesamtheit zu spielen, machten wir uns auf die Suche nach
den eigentlichen Urhebern desselben.
Und – wir sind wirklich fündig geworden –
im benachbarten Deutschland –
in der Zeit der Jahrtausendwende …
Dort und damals entschlossen sich
zwei Freunde, die sich
für selbst geschriebene und vorgetragene Texte begeisterten, damit etwas ganz eigenes zu machen. Sie waren einerseits
fasziniert von all den Ausdrucksmöglichkeiten, die das in jener Zeit aufkommende
HipHop-Genre mit sich brachte, andererseits aber
zutiefst abgestoßen von dem, was sich daraufhin als zunehmend populär werdender
“Deutschrap” oder eben
deutscher HipHop in ihre und unsere
Gehirne drängen sollte. In dieser Situation schufen sie ein (in unseren Ohren)
Meisterwerk der Sprachkunst, das noch dazu aufgrund
seiner alle gängigen Klischees des kommerziellen HipHop ad absurdum führenden Beats so etwas wie
“genresprengend” wurde.
Einer von den beiden,
Kamal Nicholas, kann sich an den
Entstehungsprozess und die ersten
Aufnahmesessions dieses Albums
erinnern und
erzählt dabei Erstaunliches: Zwei Freunde texten (jeder für sich) zu einem
jeweils gemeinsamen Thema und verbinden
ihre Beiträge sodann in
spontanen One-Take-Aufnahmen zu
den einzelnen Tracks.
Das ist eine
Herangehensweise, die
unserem eigenen “Workflow” beim Radiomachen und
unserem Umgang beim spontan-assoziativen
“sich zusammenfinden lassen” von Musik- und Textstimmungen sehr nahe kommt. Auch deshalb ist uns derart zustande Gekommenes in
seiner endgültigen Gestalt (was immer wieder nur eine Momentaufnahme sein kann)
so sympathisch. Wenn wir eine
Themensendung wie
“Triptychon zur Traurigkeit” erschaffen, dann
ereignen sich dabei sowohl
im Vorfeld als auch
Live On Air ganz
ähnliche Prozesse wie beim
heute mit Freude vorzustellenden
Scheiterhaufen. Und dass wir
deren bemerkenswertes Mund- und Klangkunstwerk in sendetauglicher Qualität mit euch teilen können, verdanken wir
Klaus Donarski, der
als DJ Zapotek an der Produktion einer
im nachinein herausgekommenen CD-Version beteiligt war.
Weiterführende Links:
Kamal Nicholas aka Soda auf Bandcamp
Mnemotrauma – Der Audiopath (von Klaus Donarski)
Homepage von subversive*rec (offbeaters)
Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Mozartkugeln scheiß …