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„openAIR“ – ein Projekt für Barrierefreiheit

Unter dem Titel "openAIR - Accessibility In Radio production" startet Radio FRO ein Forschungsprojekt um den technischen Hürden im Radiostudio auf die Schliche zu kommen und diese zu beseitigen.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Freien Radios ist der Offene Zugang. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben Medieninhalte zu produzieren und zu veröffentlichen. Um den InteressentInnen den Zugang zum Medium Radio zu ermöglichen versucht Radio FRO 105.0 MHz laufend noch vorhandene Schwellen (z.B. technische Hürden) abzubauen.

Da selbst dieser niederschwellige Zugang für Menschen mit Beeinträchtigung noch unüberwindbar sein kann, bietet Radio FRO 105.0 MHz seit 2006 barrierefreie Radioworkshops an. In diesem Bereich konnte Radio FRO eine Vorreiterrolle in Österreich übernehmen.
Die jahrelange Zusammenarbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung im Ausbildungsbereich, wie auch im laufenden Betrieb führte schrittweise zu einer Expertise im Bereich der Barrierefreiheit. Ein Grundverständnis, das bei allen Aktivitäten, ob Ausbildungsprojekten oder technischer Weiterentwicklung des Tonstudios, hilfreich ist.

Momentan sind bei Radio FRO 105.0 MHz neun ehrenamtliche RadiomacherInnen mit Beeinträchtigung im freien Redaktionskollektiv „Radiabled“ tätig. Dennoch gibt es weder im öffentlich-rechtlichen noch im kommerziellen Rundfunk umfassende Ausbildungsmöglichkeiten bzw. Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung . Um die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu erreichen, braucht es unter anderem, technische Innovationen, welche im Rahmen dieses Projekts entwickelt werden sollen.

Gerade das Freie Radio bietet einer großen Bandbreite an gesellschaftlichen Gruppen die Möglichkeit zur aktiven und autonomen Produktion an Inhalten. Hier können nicht nur alle zu ProduzentInnen werden, es ist auch ein fruchtbarer Boden zur Erprobung neuer Formate und zum Hinterfragen der Hörgewohnheiten der Menschen. Dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen nicht abseits des gesellschaftlichen Lebens stehen muss endlich anerkannt und auch in der Realität praktiziert werden. Dazu gehört ebenso die Sichtbarmachung der Lebensrealitäten dieser lange Zeit ignorierten Gruppe, wie auch die Analyse und Anpassung der Produktionsmethoden an die Lebensumstände von Menschen mit Beeinträchtigungen.

Menschen mit Beeinträchtigungen (ebenso wie ältere Menschen) werden bei der Entwicklung technischer Geräte für den täglichen Gebrauch (Maus, Tastatur, Display, Handy…) oft nicht berücksichtigt. Der Trend geht hierbei immer noch in Richtung möglichst kleiner, mobiler Produkte mit möglichst umfangreicher Funktionalität. Diese sind jedoch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen schwer zu handhaben. Nur in den wenigsten Bereichen finden sich mittlerweile bereits spezielle Eingabegeräte, wie Trackballs oder Joysticks bzw. sind auch nur wenige an die Bedürfnisse angepasste Ausgabegeräte vorhanden.

Vor allem in der Radioproduktion gibt es noch enorme Hindernisse. Die zentrale Hardware in diesem Bereich bildet das Mischpult, ein technisches Gerät mit einer Unzahl an Kleinstbauteilen, von denen jeder Einzelne das Hörerlebnis beeinflusst. Für Menschen mit eingeschränkten feinmotorischen Fähigkeiten bildet dieser Teil der Technik eine unüberwindbare Hürde. Darüber hinaus ist es notwendig verschiedenste analoge und digitale Zuspielgeräte für die Produktion einer Radiosendung mit zu bedienen. Gerade im Radiobereich wären jedoch Entwicklungen im Hinblick auf die Barrierefreiheit wünschenswert, da dadurch ein wesentlicher Kommunikationskanal mit einer breiten HörerInnenschaft gegeben ist.

Unser Projekt analysiert jeden einzelnen Arbeitsschritt in diesem Produktionsprozess und versucht einen zugänglichen und
funktionstüchtigen Weg zu finden, identifizierte Barrieren zu überwinden. Dabei kann auf eine mittlerweile immer größer werdende Produktpalette an technischen Hilfen und assistierenden Technologien zurückgegriffen werden, vor deren Hintergrund die genaue Betrachtung der konkreten Problemstellung erfolgt.

openAir wird in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab durchgeführt.

Das Projekt openAIR wird gefördert durch impulse.

 

Die detailllierte „openAIR“ Projektbeschreibung zum Download findest du hier

 

Zuletzt geändert am 16.02.12, 00:00 Uhr

Verfasst von Sabina Köfler

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