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Wegstrecken

Barrierefreiheit

In Folge 239 der Wegstrecken ein Studiogespräch mit Gunther Trübswasser.

Gunther Trübswasser ist Mitglied des MonitoringAusschuss – in vollem Wortlaut: Unabhängiger Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – und ehemaliger Verkehrssprecher der Grünen im OÖ Landtag. Zudem ist Trübswasser im Vorstand von SOS Menschenrechte OÖ.

http://monitoringausschuss.at/

Wie es um die Barrierefreiheit im Öffentlichen Verkehr in OÖ bestellt ist, wird Ausgangspunkt unseres Gespräches sein. Vorwegnehmen kann ich, auch aus eigener Beobachtung, dass es nicht nur für Menschen, die sich wie mein Studiogast mittels Rollstuhl fortbewegen, sondern auch für blinde und sehbehinderte Menschen, für Menschen mit Gehbehinderung, für ältere Menschen, für Menschen, die mit Kindern, mit Kinderwagen unterwegs sind, auch weiterhin häufig nicht unproblematisch ist, sich mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. 

Welche Fahrzeuge kommen zum Einsatz, ist ein barrierefreies, d.h. ohne fremde Hilfe zu bewerkstelligendes Ein- und Aussteigen möglich, ist wenigstens ein relativ unkomplizierter Zugang mittels Rampe möglich, wie ist die Beschaffenheit der Haltestellen?

Gibt es in Eisenbahnfahrzeugen eine auch für Menschen im Rollstuhl benützbare Toilette, gibt es konkrete und verbindliche Hinweise darauf, wo niederflurige Busse bzw. Züge zum Einsatz kommen – in manchen Fahrplänen, z.B. beim Fahrplan der Pyhrnbahn (Fahrplanbild 140) weisen alle Züge das Rollstuhlsymbol auf, ohne Unterscheidung, ob jetzt niederflurige Talent, Desiro oder cityjet bzw. die klassischen Wendezuggarnituren zum Einsatz kommen. Beim Fahrplan der Mühlkreisbahn (142) ist hingegen gut ersichtlich, welche Züge mit älteren Triebwagen bzw. mit niederflurigen Desiro geführt werden – was nichts an der Tatsache ändert, dass der erste Zug nach Aigen-Schlägl, der nicht mit älteren Garnituren geführt wird, auch weiterhin erst um 13.29 von Linz-Urfahr abfährt. 
 
Abseits der Bahnbenützung und für viele Menschen mangels örtlicher Anbindung an eine Bahnstrecke wesentlich ist das Angebot im Regionalverkehr mit Bussen. Hier ortet Trübswasser einen großen Nachholbedarf, was Barrierefreiheit anlangt. Die Mängelliste reicht von der fehlenden Darstellung niederfluriger Busse in den Fahrplanbildern – die man vor einigen Jahren wieder zurückgenommen hat, um die im Vergleich zur Eisenbahn schwerer einzuhaltenden Umlaufpläne „flexibler“, d.h. ohne Festlegung auf bestimmte Fahrzeuge, gestalten zu können. Zudem kommen bei Neuausschreibungen von Buslinien die Kriterien für Barrierefreiheit zu kurz, ähnliches kann übrigens auch in Deutschland bei Neuvergabe von Eisenbahnverkehren beobachtet werden, wo ältere und nicht niederflurige Garnituren zum Einsatz gebracht werden dürfen.
 
Dass die Schwierigkeiten, sich problemlos fortzubewegen, allerdings bei weitem nicht nur auf den Öffentlichen Verkehr, sondern auch Öffentliche Räume umfassen, kann jede und jeder bei einem Rundgang durch Linz (oder anderswo) feststellen. 

Während den Autos sehr viel Platz eingeräumt wird, einschließlich des erlaubten Parkens auf Gehsteigen, wird schon das Gehen für nicht beeinträchtigte Menschen häufig zu einem Spießrutenlauf. Da sind Gehsteige oft so schmal, dass sich nicht einmal zwei Menschen ohne Ausweichmanöver begegnen können. Für Menschen mit Beeinträchtigung gestaltet sich die Fortbewegung nochmals schwieriger, da müssen Umwege in Kauf genommen werden, weil Abschrägungen fehlen oder mobile Verkehrszeichen sind so aufgestellt, dass sie für blinde oder sehbehinderte Menschen zu einer Gefährdung werden. 

Mit kurzen Meldungen zu Beginn ergänzt also genügend Stoff für eine anschauliche Radiostunde.

Erich Klinger, Redaktion Wegstrecken.

Zuletzt geändert am 17.06.16, 00:00 Uhr

Erich Klinger

Verfasst von Erich Klinger

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Gesendet am Di 21. Jun 2016 / 19 Uhr

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