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Ich lebe mein Leben wie ich es will

von Andreas Anderle //
Andreas Anderle macht seit Jahren Radio, nicht nur bei FRO.
Wir haben ihn gebeten seinen Alltag zu beschreiben. Denn der Alltag ist es ja, den wir meistens Leben, der darüber Auskunft gibt ob wir Teil der Gesellschaft oder nur deren Anhängsel oder Ausnahmen sind. Natürlich erhebt eine solche individuelle Beschreibung keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber es geht auch gar nicht um das Allgemeine sonder um das Besondere.

Das Besondere eines jeden Menschen und die Freiheit seine Besonderheit leben zu dürfen.

Ich habe seit meiner Geburt eine Beeinträchtigung und komme mit meiner Behinderung sehr gut klar. Meine Art von Behinderung nennt man spastische Diplegie. Damit ich den Alltag, so wie es jetzt ist, bewerkstelligen kann, hatte ich mit sechs Jahren eine schwere Operation, weil sich meine Sehnen so verkürzt hatten, dass ich nur auf dem Boden krabbeln konnte. Die Operation ermöglichte mir, dass ich heute stehen und mit kleiner Unterstützung ein paar Schritte gehen kann.

Derzeit wohne ich noch bei meinen Eltern. Unsere Wohnung ist bis auf eine Stufe barrierefrei. Mein Tagesablauf ist: Aufstehen, WC-Gang, anziehen, waschen und frühstücken. Hierbei brauche ich, mit Ausnahme des Essens, Unterstützung. Dann werde ich mit dem Bus in die Computerwerkstätte Daten-Highway der Miteinander GmbH in Linz/Dornach gebracht, in der ich meinen Arbeitstag verbringe. In der Arbeit bewege ich mich mit dem E-Rolli fort. Die Busse haben in der Tiefgarage ihre Parkplätze. Das bedeutet, ich muss durch einige Türen, um mit dem Lift zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen. Aber die Haustechnik hat dafür gesorgt, dass man die Türen per Knopfdruck automatisch öffnen kann, damit wir RollstuhlfahrerInnen allein und selbständig fahren können. Da ich handwerklich nicht viel arbeiten kann, ist der Computer genau das Richtige für mich. Ab 16 Uhr geht es nach Hause, dann beginnt die Freizeit für mich. In der Wohnung bin ich mit Vierpunkt-Stützen unterwegs.

Wenn ich mit meinem persönlichen Assistenten unterwegs bin, fällt mir auf, dass es im großen und ganzen mit der Barrierefreiheit besser wird. Besonders betrifft das die Gehsteige, breite Türen und Lifte, allgemein dass die Gebäude barrierefrei sind. Es gibt allerdings schon noch einige Hindernisse, wie z. B.: beim Besuch von Lokalen, Kinos und Geschäften, weiters bei der Benützung einiger öffentlicher Verkehrsmittel, wie Züge. Auch bei Gruppenbesuchen von RollstuhlfahrerInnen in Kinos und der gleichen., fehlen Plätze.

Seit 2005 bin ich bei Radio FRO. Ich bin Redaktionsmitglied der Sendung „Radiabled“ und gestalte auch meine eigene Sendung „no handicap“ mit zwei Kollegen aus dem Team von Radiabled. Ich finde es super, dass es Radio FRO gibt, und dass jeder die Chance hat, eine Sendung zu machen, egal ob RollstuhlfahrerIn oder nicht. Neben Radio FRO gestalte ich auch Beiträge bei einem Internet Radio, das macht mir viel Spaß.

Ich male auch Bilder aus meinen Gefühlen und meiner Fantasie heraus und bin in einer Malgruppe. Trotz meiner Beeinträchtigung kommen wunderbare Bilder zum Vorschein. Ich stellte meine Bilder schon auf zahlreichen Ausstellungen aus, wo sie mit Begeisterung bewundert wurden.

Meine weiteren Vorlieben sind: Fußball schauen, Musikhören und auf Konzerte gehen. Bei den großen Konzerten sieht es mit der Barrierefreiheit per Rollstuhlpodest sehr gut aus. Nur einmal war es ziemlich knapp: beim Paul McCartney Konzert im Juni im Ernst Happel Stadion in Wien. Ich war mit meinem persönlichen Assistenten schon drei Stunden vor Konzertbeginn dort und hatte ganz vorne bei der Rollstuhlrampe einen Platz bekommen. Zwei Stunden später standen hinter mir drei Reihen RollstuhlfahrerInnen, und damit war die Rollstuhlrampe voll. Die letzten Rollstuhlfahrer, die noch eintrudelten, mussten ganz unten auf der Laufbahn Platz nehmen. Ich finde gerade bei einem so großen Event muss für genug Rollstuhlplätze gesorgt werden, nicht nur für ein paar wenige.

Das Wort „BARRIEREFREI“ bedeutet für mich „OHNE HINDERNIS“. Ich lebe trotz meiner Beeinträchtigung mein Leben so, wie ich es will. Meine Familie und meine Betreuer schaffen für mich ein Umfeld, in dem ich mich wohl fühle und das ich selber ausführen kann.

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Andreas Anderle ist seit seiner Geburt beeinträchtigt. Seine Fantasie bildet er in wunderschönen Bildern ab und seit 2005 gestaltet er Sendungen auf Radio FRO.

Zuletzt geändert am 17.10.13, 00:00 Uhr

Silke Müller

Verfasst von Silke Müller

Ein Duett aus Radiofeature-Produktion und Illustrationsausstellung hat mein Kommunikationsdesign und Medienstudium abgeschlossen. Seit dem beschäftige ich mich mit der großen, künstlerischen Radioform "Feature", mit Reportagen und Interviews mit KünstlerInnen und Kulturschaffenden.

Ich bin freischaftende Illustratorin für Plakate - zum Beispiel für Radio FRO - Zeitungen, Magazine, Bücher und Ausstellungen. Radiohören geht beim Zeichnen wunderbar.

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