DSC08717 Fahrleitungsmast in Leonding
Erich Klinger (©)
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Günstigere Jahreskarten – können „wir“ uns das leisten?

Vorab aktuelle Infos zur Benützung Öffentlicher Verkehrsmittel:

Die gesetzlichen Bestimmungen wurden mit Wirkung 14.04.2020 dahingehend abgeändert , dass für Fahrten mit Massenverkehrsmitteln und für Fahrten mit Privatfahrzeugen (mit Ausnahme der Maskentragepflicht in Öffis) nunmehr die gleichen Regeln gelten – siehe auch: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxeAbfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20011078

Das Verbot, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Freie zu fahren, wurde offensichtlich aufgehoben, bei beiden Mobilitätsformen wurde 3a. Erwerb von Waren als Anlass für die Benützung des jeweiligen Verkehrsmittels hinzugefügt.

Für Fahrgemeinschaften mit Personen, die nicht im selben Haushalt leben, wurde aus der „Kann-Bestimmung“ – Abstand soll 1 m betragen eine „Muss-Bestimmung“ – Abstand muss mindestens 1 m betragen – mit dieser Gleichstellung zu BenützerInnen öffentlicher Verkehrsmittel ist allerdings auch verbunden, dass bei Fahrgemeinschaften BesitzerInnen kleinerer Fahrzeuge gegenüber den „Panzer (suff)“-BesitzerInnen benachteiligt sind.

Weitere Infos: unter https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus—Haeufig-gestellte-Fragen.html gibt es unter Maßnahmen in Österreich das Kapitel „Welche Verkehrsbeschränkungen gibt es?“

 

Nach zweimaliger Verschiebung (zuletzt wegen der Studiosperre) wird Richard Fuchs in einem Telefonat, das am 17. April aufgezeichnet wird, mit mir über die Finanzierung des Öffentlichen Verkehrs, die Tücken bei Angebotsverbilligung und die Folgen aus Corona für den Öffentlichen Verkehr sprechen.

Aktuelle Meldungen, auch zu Fahrplanänderungen ab 14.04. ergänzen die Sendung.

 

Der ursprüngliche Basistext zur Sendung:

Um 365 Euro ein Jahr lang in jedem Bundesland und um 1.095 Euro in ganz Österreich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein: das klingt doch verlockend.

Und als Fahrgast, der etliche Male in Tirol und vor allem in Vorarlberg die Vorzüge eines Systems, bei dem auch günstige Wochen- oder Monatskarten für ein ganzes Bundesland angeboten werden, genossen hat, möchte ich natürlich auch in OÖ sobald wie möglich ein derartiges Angebot wahrnehmen können.

Mein heutiger Studiogast, Verkehrsaktivist Richard Fuchs aus Salzburg, ist letztlich auch kein Feind der eigenen Brieftasche, wenn er ein günstigeres Angebot – z.B. im Stadtverkehr – in Anspruch nehmen kann.

Allerdings hat Richard, auch resultierend aus seiner langjährigen Tätigkeit für den Salzburger bzw. daran anschließend den Oberösterreichischen Verkehrsverbund, wie es scheint, berechtigte Zweifel an günstigeren Zeitkarten für den Öffentlichen Verkehr, weil diese zuerst einmal ein Loch in das Budget der Verkehrsverbünde als Besteller von Leistungen reissen.

Nun kann man darüber diskutieren, spekulieren oder resümieren, dass ein flächendeckender und attraktiver öffentlicher Verkehr ohnehin weitgehend von Zuschüssen der öffentlichen Hand finanziert werden muss, weil die Fahrgasteinnahmen maximal ein knappes Drittel der aufzubringenden Summen einbringen und dass daher auch Freifahrt auf allen Linien weniger utopisch als realistisch wäre.

Fakt ist allerdings auch, dass deutlich günstigere Zeitkarten in jedem Fall Auswirkungen haben: sei es jene, dass wie zumindest in Vorarlberg behauptet wird, die steigende Zahl von regelmäßigen ÖV-NutzerInnen letztlich so viel einbringe, dass damit auch Ausweitungen des Angebotes mitfinanziert werden können, oder sei es, wie von Richard auch schon in Radiosendungen argumentiert wurde und wird, dass es zu einer „Verwanderung“ kommt, dass also vermehrt NutzerInnen auf die günstigeren Jahreskarten umsteigen, sich aber insgesamt die Zahl der ÖV-NutzerInnen nicht in jenem Ausmaß erhöht, das zu ähnlichen Einnahmen führt wie vor der Einführung z.B. des Jahrestickets für Wien um 365 Euro oder für BewohnerInnen der Stadt Linz um 285 Euro.

Wenn allerdings die Zahl der Fahrgäste steigt bzw. das Angebot erweitert wird, müssen zwangsläufig auch zusätzliche Fahrzeuge bzw. zusätzliches Personal zum Einsatz kommen und auch im Bereich der Infrastruktur zusätzliche Investitionen getätigt werden.

Nun bin ich mir sicher, dass auch mein Studiogast Angebotserweiterungen nicht ablehnend gegenüber steht, im Gegenteil, er stellt sich halt auch die berechtigte Frage, wie günstigere Tarife und Ausweitungen des Angebotes ohne ausreichende und vor allem langfristig gesicherte Abgeltung der dafür nötigen Leistungen unter einen Hut zu bringen sind.

Abschließende persönliche Anmerkungen meinerseits: für mich ist bei all dem auch wesentlich, dass Arbeitsbedingungen und Bezahlung des Personals, das uns weiter bringt, nicht auf der Strecke bleiben. Oder dass, wie man in Deutschland gut nachvollziehen kann, Ausschreibungen nur mit äußerster Vorsicht zu genießen sind, weil sie den Gesetzmäßigkeiten des Marktes folgend, ständige Unruhe erzeugen und dabei einiges an Ressourcen verschwenden. Und letztlich oft nur über Einsparungen beim Personal gewonnen werden können. Was zur Folge hat, dass Eisenbahnverkehrsunternehmen mit zu wenig Personal kalkulieren oder zum Zeitpunkt der Aufnahme des Betriebes bei weitem noch nicht jene Personaldecke aufweisen, die sie benötigen würden, um den Betrieb so abzuwickeln, wie mit den jeweiligen Bestellenden vereinbart.

Die aus den Ausschreibungen resultierende relativ kurze Laufzeit der Verträge ist auch für engagierte Verkehrsunternehmen ein Klotz am Bein, weil man ja de facto nicht über maximal 10 Jahre hinaus planen kann, umso tückischer, wenn dann wie bei der Berchtesgadner Land Bahn (BLB) die Infrastruktur in anderen und schwerfälligen Händen ist, wo schon die Errichtung eines zusätzlichen Haltepunktes (bei uns heißt das Haltestelle) eine Sache auf mehrere Jahre ist.

Und wenn ich mir vorstelle, ich würde so ein Unternehmen leiten und wüsste nicht, ob und wo ich meine Leute in 10 Jahren einsetzen kann bzw. was ich mit den Fahrzeugen anfangen soll, würde ich mir, zumindest als kleineres Unternehmen, jede Ausschreibung sehr gut überlegen.

Tatsächlich gelangen auch immer mehr Fahrzeuge auf „Halde“, nicht nur ausschreibungsbedingt, sondern beispielsweise durch Wegbrechen von Aufträgen, auch durch „Kundenvertreibung“ hervorgerufen, bei der Gütersparte der Deutschen Bahn werden funktionstaugliche E-Loks verschrottet.

Dabei waren und sind Eisenbahnfahrzeuge – großteils ja immer noch – langlebige Produkte.

Erweiterte Inhaltsangabe: von den 365-Euro-Jahreskarten abgesehen, werde ich mit Richard auch auf die Verlängerung der Lokalbahn in Salzburg in Richtung Mirabell und darüber hinaus Richtung Süden, auf das gestern in Salzburg vorgestellte Projekt Weilhartbahn, Verlängerung der Salzburger Lokalbahn von Lamprechtshausen nach Eggelsberg bzw. Gundertshausen, die nunmehr im Einsatz befindlichen „neuen“ Garnituren auf der Mattigtalbahn und den Rechnungshofbericht zur Stadtregiotram Gmunden zu sprechen kommen. Hinsichtlich der Zusammenführung von Gmundner Straßenbahn und Lokalbahn Vorchdorf – Gmunden war angesichts mäßiger Fahrgastzahlen u.a. von ineffizientem Einsatz der Mittel die Rede, Wasser auf die Mühlen jener, die ohnehin schon „immer“ gegen dieses Vorhaben waren.

Erich Klinger, 11. Februar, 10. März und 14. April 2020

Zuletzt geändert am 21.04.20, 15:02 Uhr

Gesendet am Di 21. Apr 2020 / 19 Uhr

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