Programmheft 18

Editorial

Herzlich willkommen! Schön, dass du reinschaust! Es waren heiße Tage, als wir diese Ausgabe im Juli und August zusammenstellten. Gemeinsam mit vielen ehren- und hauptamtlichen Flüchtlingshelfer*innen schlossen wir uns zur „Plattform Solidarität“ zusammen – eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf das Versagen der politisch Verantwortlichen bei der Aufnahme von Asylsuchenden hinzuweisen und eine sofortige Änderung der bewusst oder fahrlässig herbeigeführten Zustände zu erreichen.

Vom Extremismus der Mitte

von Martin Schenk // Hetze und Menschenfeindlichkeit sind in Österreich kein Randphänomen mehr, sondern wurden längst von der gesellschaftlichen Mitte übernommen. Das ist die Beobachtung des Sozialexperten Martin Schenk. Über eine gefährliche Dynamik, die sich da ausgebreitet hat. Die sozialen Probleme steigen, obwohl die Gesellschaft insgesamt immer reicher wird, besonders ganz oben. Schuld sind aber immer die da unten. „Die Unterschichtler“, „die Mindestsicherungsbezieherinnen“ und „die Asylanten“. Das ist eine Methode, um die Verteilungs- und Gerechtigkeitsdebatte nur „ganz unten“ zu führen. Die zehn Prozent der Bevölkerung mit den geringsten Einkommen und Chancen dürfen einander die Augen auskratzen. Wie in einem römischen Stadion werden sie aufeinander losgelassen. Der Rest darf zuschauen und sich ein bisschen fürchten – oder daran erfreuen, nicht zu „denen“ zu gehören.

Menschen wie du und ich!

von Markus Panholzer // Mitte Mai füllten sich am Linzer Polizeisportplatz die Zelte. Asylwerber, für die Oberösterreich keine festen Unterkünfte bereitstellte, wurden vom Innenministerium in dieses Zeltlager verfrachtet und Medien berichteten sehr unterschiedlich darüber. Sehr schnell war klar, dass es bei dieser Form der Unterbringung am Notwendigsten mangelte. Eine Gruppe Freund*innen machte sich daher Anfang Juni auf, um Dinge, die offensichtlich fehlten, ins Lager zu bringen und sich selbst ein Bild zu verschaffen. Daraus entstand eine jener Hilfsgruppen für Flüchtlinge, wie es sie zu Hunderten in Österreich gibt. Eine jener Gruppen, die dem Versagen der politisch Verantwortlichen und der staatlichen Institutionen nicht mehr länger zusehen wollten. In Oberösterreich haben sich nun ehrenamtliche Helfer*innen und Menschen aus der professionellen Flüchtlingsbetreuung zur Plattform Solidarität zusammengeschlossen.

Geltendes Recht ist einzuhalten

Interview mit Linda Greuter // Seit Mai bietet der Verein „Helping Hands Linz“ im Seminarraum von Radio FRO jeden Dienstag kostenlose Rechtsberatung für Asylwerber*innen an. Eine kleine Gruppe von Jurist*innen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge in Linz und Umgebung ehrenamtlich im Asylverfahren zu unterstützen. Die Hilfestellungen reichen von der Beantwortung rechtlicher Fragen zur Grundversorgung über das Verfassen von Schriftsätzen bis hin zur Begleitung zu Ersteinvernahmen. Im Mail-Interview mit Andi Wahl spricht die Vorsitzende des Vereins Linda Greuter über Motivationen, Gesetzesnovellen und Rechtssicherheit in Theorie und Praxis.

Weil Betteln kein Verbrechen ist…

von Michaela Haunold // Die Idee der Demokratie geht davon aus, dass alle für ihre Interessen eintreten und ihre Stimme erheben können. Das ist ein schöner und wertschätzender Gedanke. Aber es gibt auch Menschen, die dieses Recht nicht ausüben können. Etwa weil sie mit dem blanken Überleben beschäftigt sind. Hier ist es wichtig, dass jemand in ihrem Namen das Wort ergreift. Die Bettellobby OÖ macht genau das. Hier ihre Selbstbeschreibung.

Termin // Erzählcafé mit Linzer Bettler*innen

Bettlerinnen und Bettler sind immer wieder in den Schlagzeilen. Es wird viel ÜBER sie geschrieben und gesprochen, jedoch wenig MIT ihnen. Wir vom Freien Radio finden das verkehrt und laden daher gemeinsam mit der Bettellobby ein, im Rahmen eines Erzählcafés mit Menschen, die in Linz durch Betteln ihren Lebensunterhalt verdienen, ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Hintergründe zu erfahren.

Die schweigende Mehrheit sagt JA

von Tina Leisch// Liebe Damen, Herren und Transgender! Die schweigende Mehrheit sagt JA. JA zu menschenwürdiger Unterbringung von Flüchtlingen, JA zu Menschenrechten für Flüchtlinge. JA zu einer solidarischen und pragmatischen Flüchtlingspolitik. In ganz Österreich stellt die Bevölkerung unter Beweis, dass sie viel weniger Angst vor Fremden hat als die Politiker*innen glauben. Überall bieten Menschen privaten Wohnraum an für die Flüchtlinge, die die Innenministerin seit Wochen in Traiskirchen auf dem Trottoir schlafen läßt. Vor dem Lagertor von Traiskirchen halten Ärzt*innen, die man nicht hineinlassen will, Ordination auf der Straße. Alle paar Minuten fährt ein Auto mit Menschen vor, die Kleidung oder Nahrungsmittel spenden möchten. Die ÖVP hat eine Telefonumfrage präsentiert, wonach 78% der Oberösterreicher*innen meinen, Österreich habe die Verantwortung Kriegsflüchtlinge zu unterstützen und aufzunehmen.

Termin // Internationaler Männertag

Seit 1999 wird in vielen Ländern der 19. November als der Internationale Männertag begangen. Dieses Jahr wird Radio FRO erstmals dabei sein – mit einem Sonderprogramm von 14 bis 24 Uhr. Ziel dieses Tages ist es, die Situation von Männern und Buben in der Gesellschaft genauer in den Blick zu nehmen und kritisch zu hinterfragen. Weshalb werden Buben in der Schule viel häufiger bestraft als Mädchen und müssen sich öfter „Sondererziehungsmaßnahmen“ unterwerfen? Warum werden Buben sehr viel öfter Psychopharmaka verordnet, um sie für den Schulbetrieb „tragbar“ zu machen? Weshalb sterben Männer früher, sind häufiger von Obdachlosigkeit betroffen und haben eine höhere Selbstmordrate?

Termin // Langer Tag der Flucht

Am 25. September ist der „Lange Tag der Flucht“. Zahlreiche Organisationen und Initiativen haben sich zusammengeschlossen, um an diesem Aktionstag im öffentlichen Raum in Linz rund um die Themen Flucht und Asyl zu informieren. Radio FRO wird wieder live übertragen und mit dem Ü-Rad vor Ort sein.

Wir hassen Radio!

von Klaus Klöten // René Monet und Benjamin Schmalhart werden gezwungen, monatlich eine Radiosendung zu machen. "Café Depresso" heißt sie. Klaus Klöten führte ein Gespräch mit den beiden Moderatoren.

Radio von überall – mit dem Ü-Rad

Ein Übertragungs-Rad für Radio FRO! Das war eine der Visionen, die wir am Radio FRO Basiscamp im Februar ausgesponnen haben. Radio kann man ja fast überall hören. Da wäre es doch schön, dachten wir uns, wenn man auch von fast überall senden könnte. Einfach mit dem Radl irgendwo hinfahren und loslegen: