DSC06492 Salzkammergutbahn zwischen Obersee und Hallstatt Sept. 2019
Erich Klinger
Zu hören am Di 17. Dez 2019 / 19 Uhr
Wegstrecken

Wer will schon in Mitterweißenbach, Langwies oder Lahnstein ein- oder aussteigen

Die im Titel genannten Regionalzughalte werden bis Dezember 2021 Geschichte sein.

Den Anfang dieser Streichungen von Halten auf der Salzkammergutbahn (Kursbuchstrecke 170, Attnang-Puchheim – Stainach-Irdning) machen die ÖBB bereits mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember.

Der Bahnhof Mitterweißenbach, letzte Station vor Bad Ischl, wird ab diesem Zeitpunkt von allen Zügen durchfahren, auch von den bisher haltenden Regionalzügen.

Ab Dezember 2021 ist es dann auch mit den Halten in der Haltestelle Lahnstein und im Bahnhof Langwies, der weiter entfernt vom Ebenseer Ortsteil Langwies ist als die Haltestelle Lahnstein, vorbei. Aus betrieblicher Sicht kann man nur hoffen, dass die beiden Bahnhöfe wenigstens als Kreuzungsbahnhöfe erhalten bleiben, allerdings kann man den ÖBB dabei nicht wirklich über den Weg trauen, denn vor wenigen Jahren wurde ernsthaft daran gedacht, Aurachkirchen zu einer eingleisigen Haltestelle umzubauen, womit die einzige Kreuzungsmöglichkeit zwischen Attnang-Puchheim und Gmunden weggefallen wäre.

Die betriebliche Qualität einer eingleisigen Bahnstrecke hängt tatsächlich auch davon ab, dass möglichst viele Kreuzungsmöglichkeiten, seien es jetzt Betriebsausweichen oder Bahnhöfe, vorhanden sind, zum einen, um auch einen dichteren Takt umsetzen zu können, zum anderen um im Verspätungsfall die Verspätungen durch Verlegung der Zugkreuzungen in einem noch erträglichen Rahmen halten zu können.

Wie man es nicht machen sollte, haben die ÖBB ja bereits bei der Hausruckbahn zwischen Attnang-Puchheim und Ried im Innkreis vorgeführt, wo nur mehr Ottnang-Wolfsegg als Kreuzungsbahnhof erhalten blieb, d.h. auf 22 Kilometern dieses Streckenabschnittes gibt es bei einer Fahrzeit von 26 bis 27 Minuten keine Kreuzungsmöglichkeit mehr, umso absurder, dass man diese „Einsparung“ durch Ausbau der Weichen zum Ausweichgleis in einem ohnehin noch besetzten Bahnhof – Hausruck – erreicht hat.

Zwar ermöglicht auch diese Konstellation einen Stundentakt in beiden Richtungen, derzeit ohnehin nur graue Theorie, im Verspätungsfall schaut’s dann allerdings trist aus, mit Anschlussbrüchen in Attnang-Puchheim und Ried im Innkreis oder weitergetragenen Verspätungen bei den Zügen der Strecke Simbach – Neumarkt-Kallham.

Gehen wir, was die Salzkammergutbahn anlangt, einmal davon aus, dass die Bahnhöfe erhalten bleiben und über kurz oder lang auf Fernbedienung umgestellt werden, benötigt werden sie, was die derzeitige Fahrplankonstellation betrifft, allemal, vor allem Mitterweißenbach als Kreuzungsbahnhof der Regionalexpresszüge, im günstigsten Fall tatsächlich ohne Betriebshalt wegen Warten auf den Gegenzug.

Der von den ÖBB angestrebte Fahrzeitgewinn wird nach Wegfall aller drei Halte nach derzeitigem Stand maximal 7 Minuten betragen, wobei dieser durch Absicherung der Eisenbahnkreuzungen = Bahnübergänge zwischen Ebensee und Steinkogel um etwa eine Minute und durch Halte auf Verlangen – die bei den Talent und Cityjet, die hauptsächlich zum Einsatz kommen, ja ohne Weiteres möglich sind – um weitere zwei Minuten reduziert werden könnten. Ob man diese Option in Betracht gezogen hat, weiß ich nicht.

Auch halte ich das zwangshaft klimabemühte Gejammer der Ebenseer ÖVP wegen der wegfallenden Halte insofern für übertrieben, weil die Fahrgastbilanz der drei Halte abgesehen von einigen SchülerInnen und gelegentlichen PendlerInnen wohl eher tatsächlich mau ausgesehen hat, u.a. weil die Bushaltestellen günstiger liegen als die abseitigen Bahnhöfe. Allerdings waren die Busverbindungen zwischen Ebensee und Bad Ischl schon bisher nicht berauschend, abgesehen von den Spätabendkursen Ischl – Attnang-Puchheim und retour gab es da nämlich keinen Bus an Samstagen, Sonn- und Feiertagen und unter der Woche war das Angebot auch ziemlich lückenhaft, während die Bahn immerhin eine tägliche Grundversorgung mit im Regelfall 2-Stunden-Takt bot.

Mangels bereits veröffentlichter Fahrpläne kann ich jetzt nicht sagen, wie und ob aktuell der Wegfall von Mitterweißenbach als Zughalt im Personenverkehr kompensiert wird und welche Fahrpläne ab 2021 im Busverkehr geplant sind, wenn alle drei Halte bei der Bahn entfallen.

Da Fahrzeitenänderungen auf eingleisigen Strecken auch Verschiebung der planmäßigen Zugkreuzungsbahnhöfe nach sich ziehen, bin ich schon gespannt, wie der Fahrplan der Bahn aussehen wird.

Geplant ist jedenfalls, in absehbarer Zukunft, ein Stundentakt zwischen Stainach-Irdning und Attnang-Puchheim (bisher 2-Stunden-Takt „hinter“ Obertraun Richtung Bad Aussee und Stainach-Irdning), ein seltsamer S-Bahn-Takt zwischen Gmunden und Attnang-Puchheim – nur unter der Woche – und die Neuaufnahme von Bad Ischl Frachtenbahnhof in den Haltekatalog der Salzkammergutbahn. Dafür gibt es allerdings auch jetzt schon keine Kreuzungsmöglichkeit mehr im Ischler Bahnhof, da die Einfahrweiche aus Richtung Goisern ausgebaut wurde.

Um wieviel „sparsamer“ der Betrieb dadurch wird, entzieht sich meiner Kenntnis, so richtig schlau kommt mir das nicht vor, den Ischler Bahnhof auf ein Durchgangsgleis zu reduzieren.

Eindeutiger Schwerpunkt der Sendung wird jedenfalls der Fahrplanwechsel per 15.12.2019 im Bereich Schiene sein, mit Zusammenfassung der in den letzten beiden Sendungen bereits ausgestrahlten Informationen und mit weiteren Informationen für Bahnreisende.

Erich Klinger, 28.11.2019

Zuletzt geändert am 02.12.19, 21:15 Uhr

Zu hören am Di 17. Dez 2019 / 19 Uhr

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