DSC00815 Zugkreuzung Bf Kefermarkt 6.6.2020
Erich Klinger (©)
Zu hören am Di 21. Jul 2020 / 19 Uhr
Wegstrecken

Wegstrecken 304: Hagel, Regen, Graupelschauer

Dem Nach-Feiern des Wegstrecken-300ers folgt verkehrspolitische Ernüchterung:

Das Automobil wird mehr und mit größerer Selbstverständlichkeit als „vor Corona“ in Anspruch genommen, der Öffentliche Verkehr verzeichnet nach wie vor auf allen Ebenen deutliche Rückgänge.

Sonntag, neben der Linzer Stadtautobahn: fröhliches Dahinbrettern mit oft mehr als 80 Sachen, tags darauf die „Begegnungszone Rathausgasse“ in Linz ein einziger Autokorso, baustellenbedingt ist an ein Durchkommen mit dem Fahrrad nicht zu denken (Notiz 7. und 8. Juni)

Die AUA stellt ab sofort die Kurzstreckenflüge zwischen Wien und Salzburg vice versa ein, FPÖ und Wirtschaftskammer sowie Industriellenvereinigung klagen lauthals und führen ins Treffen, dass nur ein geringer Teil der Flugpassagiere Binnenflieger wären, als ob die Benützung des Flugzeuges für die Strecke Salzburg – Wien für weiter Reisende alternativlos wäre.

Time ist money und koste es, was es wolle? Luftfahrtsdrehkreuze, Standortsicherung und Beibehalten eines Tempos, das vielen Menschen ohnehin schon den Boden unter den Füßen weggezogen hat bzw. wahnwitzige Gegebenheiten als unveränderbar erscheinen lässt.

Es ist der Reflex von ausgesprochenen EgoistInnen und in koste es, was es wolle eingewebten ScheuklappenträgerInnen, der einer ökologischen Vernunft diametral gegenübersteht.

Wir können uns gewisse Verhaltensformen nicht mehr leisten, auch keine Flug ins Wochenende-Eskapaden.

Die als Teil der AUA-Rettung ausverhandelte Bedingung, dass Ziele, die mit dem Zug in unter drei Stunden erreicht werden können, nicht mehr von der AUA bedient werden, ist ohnedies handzahm, außerdem ist mir nicht klar, warum die AUA dann weiterhin nach Graz fliegt, also entweder bemisst man das am Bahnhof Flughafen Wien (mit 3 Stunden Fahrzeit zwischen Flughafen Wien und Graz Hbf, aber auch lächerlich angesichts einer Minute „drüber“) oder die Vorgabe stimmt einfach nicht, denn die Planfahrzeit Wien Hbf nach Graz Hbf beträgt 2 Stunden 35 Minuten. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Entgegenkommen gegenüber der AUA.

Ach ja, die Grenzen werden wieder geöffnet, und der Mund- und Nasenschutz muss nicht mehr getragen werden, beides ab 15. Juni, was man beim ORF in Jubelstimmung (Pötzelsberger) vergessen hat, war die simple Tatsache, dass bei Benützung öffentlicher Verkehrsmittel weiterhin der Mund- und Nasenschutz getragen werden muss. Aber das betrifft ja vermeintlich nur eine „Minderheit“, auf die man auch bei der Berichterstattung über Grenzöffnungen gerne vergisst, wir sind ein Volk von Autofahrern, jawoi. Abgesehen von lokalen Berichten aus Vorarlberg habe ich beim ORF keinerlei Information über Grenzöffnungen für Bahnreisende vorgefunden, in den Printmedien wird es nicht viel besser ausgeschaut haben.

Willkommen in der neuen Normalität. Pfui Teufel.

 

Erich Klinger, 29. Juni 2020

Zuletzt geändert am 29.06.20, 13:59 Uhr

Zu hören am Di 21. Jul 2020 / 19 Uhr

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden von der Redaktion moderiert. Es kann daher etwas dauern, bis dein Kommentar hier erscheint. Wir behalten uns vor, diskriminierende oder diffamierende Kommentare, sowie solche, die straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, zu entfernen.