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Gesendet am Di 30. Jun 2015 / 19 Uhr
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Wegstrecken 223 – Berichte aus Kanada 2015 II und Regionales

Nochmals Berichte und Eindrücke aus Kanada und als Schwerpunkt der regionalen Berichterstattung der perverse Akt der Spatenstichfeier für den Westring am 5. Juli

Berichte und Eindrücke aus Kanada:

Beispielsweise Reisen mit der Presto-Card, die man mittels Barzahlung oder Bezahlung mittels Kreditkarte übers Internet mit Beträgen ab 10 kanadischen Dollar „auflädt“, um dann weitgehend problemlos mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln in der Greater Toronto Hamilton Area unterwegs sein zu können. 

Oder die Bediensteten im Öffentlichen Verkehr, beispielsweise die BusfahrerInnen im Verkehrsbetrieb der Stadt Mississauga, von denen sich WagenführerInnen und BuslenkerInnen der Linz Linien gleich mehrere Scheibchen an KundInnenfreundlichkeit abschauen könnten. 

Das Reisen mit GO-Bussen, mit denen ich, der an sich leidenschaftliche Zugreisende, vereinzelt auch dann unterwegs war, wenn es eine – zugegeben umständlichere – Reisevariante mit dem Zug gegeben hätte.

Geschichtliche Gleichnisse: das Zurückdrängen umweltfreundlicher Transportmittel zu Gunsten Straßenbau und Busbetrieb.

So verfügte Hamilton, 75 Zugminuten in westlicher Richtung von Toronto entfernt, noch zu Beginn der 1930er über zwei durchaus gut frequentierte Standseilbahnen, incline railways, mittels denen Erhebungen etwa in der Höhe des Pfennigberges bequem, günstig und umweltfreundlich überwunden werden konnten. Auch – im übertragenen Sinn – Regionalstadtbahnen sowie Straßenbahnen und O-Busse gab es. Bis zu den 1950ern verschwanden, beginnend mit den incline railways sämtliche der angeführten für heutige Begriffe fortschrittlichen und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln aus dem Verkehrsnetz, ersetzt durch Straßen und Busse. 

Hamilton, übrigens eine Stadt mit 520.000 BewohnerInnen, verfügt über ein breitgefächertes Eisenbahnnetz, das auch von Schnellzügen der staatlichen Eisenbahngesellschaft VIA durchfahren wird. Durchfahren ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn um Züge der VIA in Anspruch nehmen zu können, müssen Reisende aus Hamilton zuerst den Bus (vereinzelt auch GO-Train) nach Aldershot nehmen, um dort in einen Zug steigen zu können, der kurz zuvor durch Hamilton gefahren ist oder dies noch tun wird. Und während Toronto, aber auch Mississauga vom Stadtzentrum in Hamilton aus mit Direktbussen, bislang nur vereinzelt auch mit GO-Trains, ohne Umsteigen erreichbar sind, ist Niagara Falls, obschon Hamilton auf dem Weg dorthin liegt, nur mit Umwegen erreichbar, die saisonierten Züge der Verkehrsgesellschaft der Provinz Ontario (GO Transit) fahren durch, auch an der neu errichteten Haltestelle West Harbour vorbei, und die GO-Busse fahren, als Anschluss an die GO-Trains aus Toronto und um insgesamt akzeptable Fahrzeit nach Niagara Falls bemüht, über die Skiway Bridge und somit an der Stadt vorbei.

Doch mit dem Hinweis darauf, dass auch Reisende, die von St. Valentin aus am Wochenende nach Grein wollen, häufig über Enns fahren müssen, um dort in den von Linz kommenden Zug, der über die Ennsdorfer Schleife fährt, umzusteigen, beende ich mein Klagelied über Hamilton und wende mich unerfreulichen Geschehnissen hierzulande zu.

Die Spatenstichfeier für die „A 26/Linzer Autobahn“ ist für Sonntag, 5. Juli, 14 Uhr am Linzer Hauptplatz angesetzt. Damit dieses „Trauergspü“ wider der Vernunft und als Ausdruck blanker verkehrspolitischer Dummheit nicht gänzlich reibungslos verläuft, wäre es fein, wenn sich möglichst viele Menschen nicht nur zur Gegenkundgebung, die zur gleichen Zeit stattfinden soll/wird, einfinden, sondern auch mittels Verkleidung und sonstiger legaler Ausdrucksformen ein Zeichen setzen würden, dass sie nicht bereit sind, sich mit diesen ganzen Lügengeschichten – von den schönfärberischen Darstellungen der Brücke bis hin zur Behauptung der Asfinag „Ein Projekt, von dem alle profitieren“ – abzufinden. 

Und sie, also Hiesl, Pühringer, Luger & Konsorten werden davon sprechen, dass alles „im Rahmen des Rechtsstaates“ und unter „demokratischen Verhältnissen“ abgelaufen sei. Und den massiven Einsatz der ihnen zur Verfügung stehenden politischen und adminstrativen Apparate und Machtmittel verschweigen. Oder die Gutachter, die mit Grenzwerten jonglieren, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht. Gut bezahlte Zyniker im Auftrag der Asfinag, natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Und wer trägt letztlich die Verantwortung für das ganze Projekt, wer wäre dann im Zweifelsfall zur Verantwortung zu ziehen, wenn vieles von dem, was da jetzt behauptet wird an Wunderdingen über den Westring, nicht stimmt? 

Ich kann für mich verantworten, gegen dieses Vorhaben zu sein. Ich möchte an der Entstehung einer Zukunft teilhaben, in der nicht mehr dem Fetisch Auto unter dem irreführenden Begriff „Mobilität“ vieles untergeordnet wird, auch wenn damit Zerstörung von Umwelt und Beeinträchtigung von Lebensräumen von Mensch und Tier und Pflanzen, verbunden sind.  Meine Definition von „Zukunft“ reicht auch über die nächsten 10 Jahre und vor allem auch über die nächsten Landtags- und Gemeinderatswahlen hinaus.

 

Erich Klinger

Zuletzt geändert am 26.06.15, 00:00 Uhr

Erich Klinger

Verfasst von Erich Klinger

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