Dominika_Meindl
Erich Klinger

„Scheißt euch nicht an, es wird alles gut!“

Michaela Kramesch hat die Präsidentin von eigenen Gnaden, Dominika Meindl zum Interview getroffen und ihr einige Fragen zum Weltfrauentag gestellt.

Interview mit Fr. Präsidentin Dominika Meindl zum Weltfrauentag am 8. März.

Kramesch: Gegenüber mir sitzt Präsidentin Dominika Meindl, Präsidentin von eigenen Gnaden. Guten Tag Frau Präsidentin!

Präsidentin Meindl: Ja guten Tag, ich freue mich sehr über die Einladung in meinem Herrschaftssitz, dem lieben Linz, wo ich von Wien her die Macht verlegt habe und Radio FRO ist ganz wichtig für mich als Antifaschistischer Volksempfänger.

Kramesch: Was genau macht Sie denn zur Präsidentin?

Präsidentin Meindl: Sie haben das schon sehr schön ausgedrückt, von eigenen Gnaden (…) Vor zwei Jahren ist mich eine gewisse Ungeduld überkommen, angesichts der Vorgänge um die Präsidentenwahl und ich hab das nimmer mit anschauen können. Sowie viele andere Österreicherinnen und Österreicher auch nicht mehr und da hab ich dann gesagt: So! Aus! Genug gestritten – ich bin jetzt die Präsidentin. Man kennt das vielleicht noch – die älteren Semester – da ist ein österreichischer Polizeipräsident mal zu den Ausbrechern in Stein gegangen und hat gesagt: „Gebts auf, i bins euer Präsident!“ – Dieses Ereignis hat mich sehr inspiriert und ja das ist halt jetzt das Leben in einer gemäßigten Diktatur. Weil demokratische Wahlen in dem Sinn, gibt es halt nicht. Das ist so, wenn man sich schon selbst ausruft als Präsidentin aber bis jetzt habe ich noch keine Beschwerden gekriegt.

Kramesch: Am 8 März ist Weltfrauentag, was ist einer Präsidentin besonders wichtig? Was verbinden Sie persönlich mit diesem Tag?

Präsidentin Meindl: Der 8. März ist für mich besonders wichtig! Bis jetzt ist es so eine Art Beta-System – ein Gruß an die Nerds! Also eine Beta-Version des demokratischen Systems und ich möchte gerne am 8. März dieses System runter fahren und nochmals neu starten. Wir haben jetzt 100 Jahre Frauenwahlrecht gehabt, ich hätte jetzt gerne die nächsten 100 Jahre das Männerwahlrecht ausgerufen. Wo schließlich die Männer recht herzlich eingeladen sind, sich da demokratisch zu beteiligen an UNSERER Republik! Das heißt jetzt übrigens wieder, dass es Wahlen geben wird in näherer Zukunft – ich sehe mir das genau an. Ich möchte dem Volk hier durchaus Partizipation zugestehen und ich glaube auch an die Männer. Warum soll ein Mann nicht auch wählen können? Warum soll ein Mann nicht politische Ämter anstreben? Wie gesagt, wir schauen uns das genau an, aber für mich ist der Besitz von zwei Brüsten noch nicht automatisch der Beweis, dass man überlegen ist, ich glaube durchaus, dass die Männer das auch gut können.

Kramesch: Gibt es Ikonen aus der Frauenbewegung, die Sie selbst als Vorbild sehen?

Präsidentin Meindl: Als Vorbild nicht bis zum bitteren Ende. Aber Olympe de Gouges, die von den dummen Jakobinern dann abgekragelt wurde, ist natürlich ein tolles Vorbild.
Im negativen Sinn – also man braucht ja auch ironische Frauenvorbilder – Margaret Thatcher! Also die, die war so arg drauf die ist natürlich für mich – ich war ja im früheren Leben Satirikerin – eine super Vorlage. Aus ganz aktuellem Anlass auch Beate Hartinger-Klein. Ich habe heute einen Text über Sie geschrieben weil, die taugt mir! Die ist so – also da hat man einfach die gelebte Worst-Practices in einer Person konzentriert.

Ein weiteres Vorbild –  das ist doch die alltägliche Frau von der Straße! Auch jene, die mit mir enger befreundet sind. Da sind wirklich klasse Frauen dabei. Die alleinerziehende Frau, die den Alltag meistert! Die in einer Beziehung, alleinerziehende Frau! Also in Wahrheit bis auf Maggie Thatcher und die Hartinger Klein gibt es eigentlich nur Vorbilder.
(…)

Kramesch: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Errungenschaften der Frauenbewegung?

Präsidentin Meindl: Dass wir die Männer nicht alle im Schlaf abgestochen haben! Das ist von der Evolution her (die Präsidentin denkt nach) …ja ich weiß, dass sind jetzt harte Worte! Wir haben es ja nicht gemacht! Wir machen es ja wahnsinnig selten und das finde ich ja auch extrem gut so, weil die Evolution hat das sehr geschickt eingerichtet, dass die Männer, wenn sie schlafen ganz lieb ausschauen. Wie Hundewelpen. Ich habe das selbst oft beobachtet und auch wenn man sich tagsüber noch so viel geärgert hat mit ihnen – man sticht sie nicht ab in der Nacht, während sie hilflos schlafen.

Dieser Fakt schon mal alleine als Schritt der Frauenbewegung – eben zum Schutze der Männer. Das ist eben mir ein wichtiger Punkt: Der Schutz unserer Männer! Das ist vielleicht noch nicht eine Errungenschaft, da möchten wir noch hin – dass sich Männer in der Nacht nicht mehr so unsicher fühlen! Dass sie sich ganz generell in ihrem Dasein nicht mehr so unsicher fühlen, wie man das eben derzeit oft wahrnimmt. Ich habe das beobachtet, da möchte ich helfen.

Ich möchte, dass sich alle in Österreich wohl und sicher fühlen und gerade bei den Männern müssen wir da sehr stark ansetzen. Man weiß das ja aus der Psychoanalyse, gerade so ein leicht aggressives Auftreten ist ja ein ganz starkes Symptom von einer tief verwurzelten Unsicherheit. Ich will schon fast sagen eine postmoderne transzendenziale Obdachlosigkeit, wo gerade der Mann leicht zum Opfer wird und da möchte ich helfen.

Kramesch: Apropos Errungenschaften …Forderungen, wie Macht teilen, Einkommensunterschiede beseitigen, Arbeit verteilen, Armut bekämpfen, Wahlfreiheit ermöglichen, Vielfalt leben, Selbst bestimmen, Gewalt verhindern, Schutz gewähren – 2018 gab es ein Frauenvolksbegehren, welches von 481.959 Menschen unterschrieben wurde. Waren Sie eine von Ihnen?

Präsidentin Meindl: Oh ja!

Kramesch: Warum?

Präsidentin Meindl: Na weil ich eine Frau bin! … Warum denn nicht (die Präsidentin denkt nach) … ich denke there is a special place in Hell für die Frauen und auch für die Männer die sagen „Na mir is des a bissl zvü durcheinander mit dem Volksbegehren, des unterschreib i ned!“
Und ich wiederhole: Ein ganz special place in Hell – tief drinnen in Dantes Inferno, ist dort für die Verantwortlichen, die sich das dann angesehen haben und dann gesagt haben „Ah, sorry direkte Demokratie – möchten wir eigentlich voll gerne – aber das sind halt um 10.000 Unterschriften zu wenig.“ Diese treffen sich dann at this special place (…)

Kramesch: Frau Präsidentin, ziehen sie in Erwägung, dass der 8. März, wie in Berlin, zu einem Feiertag erhoben wird?

Präsidentin Meindl: Er ist bereits ein Feiertag! Wer sich nicht frei nimmt, der oder die ist eh selber schuld!

Kramesch: Das heißt die „Karfreitags-Regelung“ kommt hier zum Tragen?

(Eine empörte) Präsidentin Meindl: Die Karfreitags-Regelung kommt NICHT zum Tragen! Nein! Das ist ein gesetzlich vorgeschriebener Feiertag und wenn ich jemanden erwische am Arbeitsplatz, der kann mit einer strengen gefalteten Stirnpartie zwischen meinen Augen rechnen. Ich schaue dann so passiv-aggressiv!

Kramesch: Sehen Sie derzeit einen politischen Fort- oder Rücksch….

Präsidentin Meindl: Ein Fortschritt! Entschuldigung, da falle ich Ihnen gleich ins Wort – ein Fortschritt natürlich! Wann hatten wir schon einmal eine Bundespräsidentin? Demnächst startet das alles nochmal neu durch, dieses System. Wir haben den Feiertag gehabt, 100 Jahre Ausrufung der Republik- zwar mit leichter Verspätung von einem Jahr- aber so etwas vertrödelt man halt schnell einmal. Es wird dann die Republik nochmal neu ausgerufen, aber dieses mal richtig, also ordentlich, Stichwort: Männerwahlrecht.
Diese Dinge, die sich als störend herausgestellt haben, wie Ungleichverteilung der Einkommen, der ganze Sektor Carework etc. – diese Bereiche werden fair aufgeteilt.
Das Bundesheer wird abgeschafft, da passe ich besonders gut auf, mit meinen eigenen Fäusten, was eben alles jetzt so stört. Bedingungsloses Grundeinkommen soll kommen – da freue ich mich selber drauf! (…)

Kramesch: Was möchten Sie am Ende noch als Statement den Frauen zum diesjährigen 8. März mitgeben?

Präsidentin Meindl: Liebe Bürgerinnen, reißt euch zusammen, lasst euch nicht hinreißen im Zorn, damit es da nicht zu Tätlichkeiten kommt. Helft mit konstruktiv am Wiederaufbau der Republik in unserem Sinne. Zügelt den Zorn gegenüber Männern, die uns durchaus zur Ungeduld herausfordern. Die Welt liegt schon in unseren Händen, wir müssen dies erst erkennen, aber ich helfe euch dabei. Generell an die Mitbürger gilt: Scheißt euch nicht an es wird alles gut!

Kramesch: Wie werden Sie persönlich und ganz privat den 8.3. feiern?

Präsidentin Meindl: Ich glaube, dass ich mir zum Frühstück gleich einen schönen Champagnerrausch ansaufe und dann werde ich krakeelend durch den Ort gehen, in dem ich mich gerade aufhalte (…) und mit Gleichgesinnten Parolen gröhlend und den öffentlichen Raum einnehme! (…)

Fr. Präsidentin Dominika Meindl, ich danke ihnen für das Interview!

Danke, danke sehr und viele liebe Grüße an die Menschen vor den Geräten!

Dominika Meindl ist Präsidentin der „Original Linzer Worte“ und von eigenen Gnaden ernannte Präsidentin der Republik Österreich.
Das ungekürzte Interview gibt es am SO 17.03.2019 auf Radio FRO in der Sendung „Die Austronautinnen“ (19h- 21h) zum Thema Weltfrauentag, zu hören.

 

Links:

Original Linzer Worte:
http://linzerworte.blogspot.com/

Die Austronautinnen
https://www.fro.at/sendungen/die-austronautinnen/

Zuletzt geändert am 15.04.19, 20:21 Uhr

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