Kunst und Kultur
“Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust” vom Hamburger Musikkollektiv
Früchte des Zorns ist eines jener Lieder, auf das wir uns mit
unserer langjährigen Radiokollegin Rosi Krenn jederzeit hätten einigen können. Die unermüdliche
Beschützerin und Ermutigerin jeglicher Art von
normabweichenden,
unangepassten,
speziellen,
diversen und auch sonst
“in keins von den üblichen Schachterln passenden” Lebensentwürfen ist vor kurzem und also
leider viel zu früh von uns gegangen. Wenn man sie –
ob ihres vielfältigen Engagements für so viele – als jemand beschreiben möchte, die (in den Worten von Roxy Music)
“Both Ends Burning” war, dann darf man auch sagen, dass es
für das Licht der Welt besser gewesen wäre, wenn sie noch etwas länger
geleuchtet hätte …
Freiheit statt Schubhaft – Foto: Rosi Krenn
Kennen gelernt haben wir uns
im sogenannten “Streiklager” der Aktion
Freiheit statt Schubhaft. Während der
Jugoslawienkriege flüchteten Kriegsdienstverweigerer (natürlich illegal, wie auch sonst?) zu uns nach Österreich. Sie sollten nach
damals “Restjugoslawien” zurück
abgeschoben werden, wo ihnen als
Deserteure, also wegen
“Fahnenflucht”, oftmals sogar die
Todesstrafe drohte. Ein Umstand, der
die Rosi bis ins Herz verletzte, was sie auf dieser
mehrmonatigen Dauerkundgebung nach außen hin immer wieder in aller
Drastik und
Deutlichkeit zum Ausdruck brachte. Nach innen jedoch verströmte sie
eine inspirierende Atmosphäre von Wohlwollen und Gastfreundschaft, die ich rückblickend als
angenehm bestätigend und zugleich als
in sehr einladender Weise herausfordernd empfand.
Langsam wird mir klar, was für einen wesentlichen Beitrag sie
dadurch auch
zu meinem ersten Radioauftritt im Ö1-Feature “Im Schatten der Mozartkugel” geleistet hat, welches
dort in ihrer Gegenwart aufgenommen wurde.
Und sie lebt sogar im Untertitel dieser Sendereihe weiter: Die Idee dafür, was ein
Kunst- beziehungsweise
Kunnst-Biotop eigentlich ist und wie sich
sein Sinngehalt,
seine Bedeutung beschreiben ließe, entstand damals auch
unter ihrer Mitwirkung:
“Und das, was wir unter Kultur verstehen, ist, dass Menschen etwas machen, das vergleichbar ist mit einem Biotop. Das vergleichbar ist mit einem kleinen Tümpel, mit einem Schlammloch, da stehen drei Bäume, da ist ein hohes Gras – und irgendwann einmal zwischen Nachmittag und Abend kommen dort zwei Verliebte vorbei oder ein Dichterling oder sonst irgendjemand, einfach Menschen. Und die genießen das. Und denen sagt das was. Und das ist in keiner Statistik festzuhalten, das kann man in keinem Subventionsansuchen rechtfertigen – und das kann man in keiner Weise systematisch dingfest machen.”
Nur folgerichtig wurde ihre Sendung
“Radio Stachelschwein” dann fast genau
20 Jahre nach unserer ersten Begegnung im Rahmen der Feier
“15 Jahre Radiofabrik” 2013 mit
einem Radioschorsch für
“Soziale Visionen und deren Verwirklichung” ausgezeichnet. Und – hier schließt sich dieser Kreis – ich durfte
diesen Preis damals überreichen und auch
die entsprechende Laudatio halten.
Wenn ich mir überlege,
was ich –
vor allem zu Rosis Wesensart und Gestimmtheit –
noch sagen könnte,
dann möchte ich diesen Ball jetzt an euch weiterspielen …
eine kleine Aufgabe:
Lasst uns einen Moment lang gemeinsam innehalten …
und den ganz am Anfang dieses Artikels zitierten
Songtitel (der
ihre Wesensart, wie ich meine, recht gut auf den Punkt bringt)
wie einen einfachen Satz auf uns wirken …
Was spüren wir da? Was hören wir in uns? Was erzählt er …
über das Leben …
?
“Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust.”
PS. “Nichts ist vergeblich.”