Kunst und Kultur
Seit dem
Überfall russischer Truppen
auf die Ukraine (am 24. Februar des vorigen Jahres) taucht der Begriff
Tyrannenmord wieder vermehrt in den
Gedanken und
Gesprächen der
Menschen auf. Wir wollen uns
überlegen, worin sich ein
real existierender Tyrann von popkulturellen Archetypen (des
“bösen Herrschers” oder der
“bösen Herrscherin”, soviel Gleich
entrechtigung muss sein)
unterscheidet. Und wir wollen am heutigen Todestag von
Georg Elser (der
kurz nach Beginn des 2. Weltkriegs (am 8. November 1939)
im Bürgerbräukeller in München ein Attentat auf Adolf Hitler verübte, das nur leider knapp daneben ging) –
also, wir wollen das heutige
Gedenken an diesen
mutigen Einzelgänger zum Anlass nehmen, etwas vom
Wesen der Gewaltherrschaft oder eben
“Tyrannei” zu erfahren.
Und er hätt‘ es beinah‘ geschafft,
Die Mörder live on air zu zerstören.
Das Explosionsgeräusch war für die
Radiohörer deutlich zu hören.
Diese Zeilen aus dem
“Lied für Georg Elser” von
Gerald Fiebig und
William Rossi verdeutlichen
das Spektakuläre und eben auch
das Scheitern des auf die Minute genau geplanten Anschlags. Ein Umstand, der sich im
Konzept des Denkmals in der Türkenstraße
als Lichtinstallation wiederfindet:
Jeden Tag leuchtet es nämlich
zum exakten Zeitpunkt der Bombenexplosion im entsprechenden Rot auf – um gleich darauf wieder bis zum nächsten Tag zu verlöschen.
Eine gelungene Annäherung an die
Außenwirkung von
Georg Elsers todesmutiger Tat – mit künstlerischen Mitteln. Denn
der Tyrannenmord bedeutet immer auch
das Riskieren des eigenen Lebens, wie wir seit
Schillers Bürgschaft eigentlich im
Kulturgedächtnis verinnerlicht haben.
Oder seit
Stauffenberg. Ich erinnere mich an
Dietrich Bonhoeffer, der dem Kreis der
Verschwörer des 20. Juli 1944 die
Rechtfertigung eines Tyrannenmords aus Sicht des evangelischen Glaubens nahebrachte – und dafür
mit seinem Leben bezahlte. Er wurde
am selben Tag wie Georg Elser (einen Monat vor Kriegsende)
von den Nazis ermordet. Wir spielen heute auch das Album
“Lied für Georg Elser”, das
“aus Zorn über das weltweite Erstarken des Faschismus geboren” wurde und nähern uns mit künstlerischen Mitteln
der Innenwelt des Menschen an, der
Tyrannei aktiv ablehnt.
Spielt ihm zu Ehren die Zither,
Denn er wollte die Mörder zerstören.
Spielt so laut, dass wir endlich
Dieses Explosionsgeräusch hören.