RF_18_03_18_10_ÖBB_Ausschnitt Triebwagen 628/928 in Salzburg Hbf
Wegstrecken

Neue Fahrzeuge für die Mattigtalbahn?

Seit Fahrplanwechsel am 10.12.2017 geht's auf der Mattigtalbahn drunter und drüber.

Nach Meinung des Salzburger Verkehrsaktivisten Richard Fuchs und Mag. Paul Stefan von der Initiative für ein lebenswertes Mattigtal läuft einiges schief.

Verspätungen sind an der Tagesordnung, da zwischen Freilassing und Braunau – neben wenigen lokbespannten Zügen – vorwiegend Triebwagen von DB AG und Südostbayernbahn zum Einsatz kommen, die für Steigungsstrecken und rasche Beschleunigung nach Halten oder verlangsamter Fahrt wenig geeignet sind.

Die bis Dezember 2017 eingesetzten und besser geeigneten Jenbacher Triebwagen der Baureihe 5047 finden nur mehr für Fahrten zwischen Steindorf bei Straßwalchen und Braunau Verwendung. Grund dafür: die bis Fahrplanwechsel ab und bis Salzburg Taxham-Europark durchgebundenen Züge verkehren nun ab und bis Freilassing. Und die etwa 1,1 km lange Strecke auf deutschem Gebiet dürfen die 5047er mangels Ausrüstung mit PZB 90, einem von der Deutschen Bahn für diesen Abschnitt vorgeschriebenen Sicherheitssystem, nicht fahren.

Daraufhin kam es zur Anmietung von Fahrzeugen der Baureihe 628.2 durch die ÖBB.

Fahrplantechnische Folgen des Einsatzes der Triebwagen der Südostbayernbahn: die bisherigen Halte in Seekirchen am Wallersee wurden weitgehend gestrichen, auch die Haltestellen Teichstätt und Achenlohe werden nur mehr sporadisch bedient. Bei Seekirchen dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die 6 Minuten später in Salzburg Hbf abfahrende WESTBAHN nicht durch den vorausfahrenden Zug der Mattigtalbahn „eingebremst“ wird. Im Verspätungsfall muss der Zug der Mattigtalbahn dann ohnehin die WESTBAHN in Seekirchen überholen lassen, wie bei Betriebshalten üblich, ohne Möglichkeit aus- oder einzusteigen. In der Gegenrichtung ist es der nachkommende Railjet, dem kein planmäßiger Halt des vorausfahrenden Zuges in Seekirchen „zugemutet“ wird, ein Betriebshalt, um den höherrangigen Railjet vorfahren zu lassen, dürfte jedoch im Verspätungsfall des Mattigtalzuges ebenfalls die Fahrgäste „erfreuen“

Das Resultat ist jedenfalls, dass Seekirchen für Menschen aus dem Mattigtal oft nur mehr mit Umsteigen in Neumarkt-Köstendorf und Wartezeiten erreichbar ist. Und dass es auch weniger Verbindungen zwischen Salzburg Hbf und Seekirchen gibt, die neu eingeführten beschleunigten Regionalzüge zwischen Salzburg und Straßwalchen an Werktagen können den weitgehenden Entfall der REX-Halte nicht ausgleichen, die „Mattigtaler“ fahren ja weitgehend durch und die bisherigen „Linzer“ REX fahren nunmehr als S-Bahn, d.h. die S-Bahn als Grundgerüst blieb erhalten, aber die – zusätzlichen – REX wurden eingespart.

Vergleicht man die bisherigen Fahr- und Reisezeiten zwischen Salzburg Hbf und Braunau, wird ersichtlich, dass die oft nur theoretisch erzielten Reisezeitkürzungen ausschließlich auf Entfall von Halten (neben den genannten vor allem Steindorf) bzw. der zusätzlichen Schließung der Haltestelle Munderfing Dampfsäge zurückzuführen sind. Erstaunlich auch, dass die deutschen Garnituren mangels Haltewunscheinrichtung wie bei den ÖBB-Triebwagen an jeder Haltestelle stehen bleiben und wieder anfahren müssen, was natürlich zeitaufwändiger ist als langsam durchzufahren.

Für die mir im übrigen durchaus sympathische Südostbayernbahn, eine Tochter der DB Regio, bringt das neue Einsatzgebiet möglicherweise auch Vorteile bei den Fahrzeugumläufen, können doch via Braunau auf kürzerem Weg als über Mühldorf Garnituren nach Simbach zugeführt werden. Aber das ist zugegeben Spekulation, ebenso wie die Vermutung, man wolle den Triebwagen Gelegenheit geben, andere Strecken kennenzulernen.

Meine diesmaligen Studiogäste werden also die am 10.3. verabschiedete Mattigtaler Resolution vorstellen. In dieser Resolution wird ausdrücklich festgehalten, dass die Triebwagengarnituren der Reihe 628.2 fehl am Platz sind, sie fordern daher den Einsatz besser geeigneter Fahrzeuge.

Den Vorstellung meiner beiden Gäste zufolge soll die Mattigtalbahn zwischen Steindorf bei Straßwalchen aber ohnehin elektrifiziert und zudem auch durch zusätzliche Haltestellen bzw. Ausweichen attraktiviert werden. Auch darüber werden wir natürlich sprechen.

Vor dem Gespräch über die Mattigtalbahn werden kurze Meldungen stehen, zu Schienenersatz-verkehren, zum von Abtragung bedrohten „Mittelabschnitt“ der Donau-Ufer-Bahn und zur nun vielleicht doch spruchreif werdenden Verlängerung der Salzburger Lokalbahn bis Mirabell.

Erich Klinger, 13. April 2018

Zuletzt geändert am 19.04.18, 17:48 Uhr

Erich Klinger

Verfasst von Erich Klinger

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Gesendet am Di 17. Apr 2018 / 19 Uhr