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Hölle der Frauen!

Moje cialo, moja sprawa! Mein Körper, meine Entscheidung! oder Nie w moim imieniu! Nein in meinem Namen! so skandierten Frauen in vielen Städten in Polen, nachdem am 22. Oktober das Verfassungsgericht die Möglichkeit zur Abtreibung bei schweren Fehlbildungen bei Föten für verfassungswidrig erklärte. In ganz Polen kam es zu Protesten.

Seit dem 22. Oktober protestieren trotz der Pandemie Tausende Bürgerinnen und Bürger in ganz Polen gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. „Es reicht!“, „wir sind keine Opfer“, „Hölle der Frauen!“ – vor allem Frauen und junge Leute in Polen haben genug. Auf den Plakaten der Demonstrant_innen steht: „Ihr habt Blut an den Händen“ und „Wir wollen die Wahl haben“. Während ganz Polen zur Roten Zone erklärt wurde, löst PiS einen Kulturkrieg aus.

Zwischen 1956 bis 1993 galt in Polen das liberale Abtreibungsgesetz, das Frauen in „schwierigen Lebensbedingungen“ einen Abbruch der Schwangerschaft erlaubte. In den Achtzigerjahren wurden bis zu 140.000 Abbrüche pro Jahr gezählt. Seit 1993 nach einer Kampagne der katholischen Kirche hat Polen eines der stärksten Abtreibungsgesetze Europas, das die Abtreibung nur in drei Fällen erlaubte. Erstens, wenn die Schwangerschaft eine Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren darstellt, zweitens im Falle einer schweren und irreversiblen Behinderung des Fötus oder einer unheilbaren Krankheit, die sein Leben bedroht, und drittens, wenn die Schwangerschaft infolge einer Straftat, Vergewaltigung eintrat. Nach dem Antritt der rechtskonservativen PiS gab es Versuche das Gesetz wieder zu verschärfen. Seit 22. Oktober verbietet die neue Gesetzeslage Schwangerschaftsabbrüche im Fall der schweren Fehlbildungen bei Föten. Mit der Verschärfung des Abtreibungsrechts werden gerade auch die letzten Möglichkeiten einer legalen Abtreibung abgeschafft. Fast alle der legalen Abtreibungen in Polen finden mit dieser Begründung statt.

Der Frauenstreik geht weiter. Was nun? An welchem Punkt in der Geschichte sind wir?

Agnieszka Rachwal – Müller, Aktivistin und Protestteilnehmenrin in Krakau gegen Abtreibungsverbot in Polen gibt ein Kommentar zu der Situation ab.

Moderation Dorota Trepczyk

 

#Rewolucja jest kobietą! #Revolution ist eine Frau!

#Solidarność naszą bronią! #Solidarität unsere Waffe!

#PiekłoKobiet! #Hölle der Frauen!

#Lewica! #Die Linken

#StrajkKobiet! #Frauenstreik

 

 

Zuletzt geändert am 20.11.20, 10:41 Uhr

Gesendet am Fr 30. Okt 2020 / 18:30 Uhr

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