Interview mit dem FLINTA Radclub Radieschen und ME/CFS Mahnwache
Die FROzine Beiträge sind: Mahnwache zum Severe ME Awareness Tag und Interview mit dem FLINTA Fahrradkollektiv Radieschen.
ME/CFS Mahnwache am 6. August 2026
ME/CFS ist eine immer noch weitgehend unerforschte und oft übersehene chronische Krankheit.
ME – oder ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis, bzw. Chronisches Fatigue Syndrom. Die in Folge von Virusinfektionen auftretende neuroimmunologische Erkrankung schränkt das Leben der Betroffenen massiv ein. Infolge von körperlicher oder kognitiver Anstrengung tritt die Post-Exertionelle Malaise auf, die zu einer zeitversetzten Verschlechterung der Symptome führt, bis hin zum sogenannten Crash, dem körperlichen Zusammenbruch, bei dem Betroffene einen rapiden Leistungs- und Energieabfall erleiden und mitunter tagelange Bettruhe benötigen.
ME tritt meist in Folge einer Virusinfektion auf, oft durch Epstein-Barr oder Influenza-Viren verursacht. Durch die COVID-19-Pandemie stieg die Anzahl der ME Betroffenen noch einmal deutlich an. Laut der Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS liege die Anzahl der in Österreich Betroffenen bei 26.000 – 80.000 Personen. Durch die Pandemie könne sich die Anzahl noch einmal verdoppelt haben.
Die Erkrankung hat unterschiedliche Schweregrade, von mildem ME bis hin zu einer sehr schweren Ausprägungsform. Selbst eine milde Form der Erkrankung bedeutet für die betroffenen Personen jedoch schon Einschränkungen in der Mobilität, der Arbeitszeit- und Freizeitgestaltung. Für Severe ME/CFS Patient:innen werden selbst die scheinbar kleinsten Aufgaben wie Aufstehen oder Essen zur Unmöglichkeit. Fehlende Forschung und medizinisches Fachpersonal, mangelhafte soziale Absicherung sowie ein nicht vorhandenes gesellschaftliches Bewusstsein für die Erkrankung führen oft zum Tod der Betroffenen. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, hielt die Initiative MUT (ME Unterstützung und Teilhabe) am 6. August – zwei Tage vor dem internationalen Severe ME Awareness Day am 8. August – eine Mahnwache und Protestreden vor dem Gesundheits- und Sozialministerium in Wien.
Sie forderten die gesellschaftliche Aufarbeitung der jahrzehntelangen Vernachlässigung von ME/CFS, mehr Forschungsgelder und die generelle Verbesserung der gesellschaftlichen Sichtbarkeit von betroffenen Personen, damit diese nicht unbeachtet daheim in Vergessenheit geraten.
Dabei legten sie auch Leichensäcke vor dem Ministerium ab – als Erinnerung und Mahnung an die sinnbildlich und buchstäblich durch ME/CFS Begrabenen und Vergessenen.
Das FLINTA Radkollektiv Radieschen
Das Radkollektiv Radieschen hat sich in Linz gegründet für gemeinsame Ausfahrten und Vernetzung von Radbegeisterten.
Seit Frühjar 2026 gibt es das Kollektiv. Die Idee dahinter war, gemeinsam Rad zu fahren. Vor allem längere Ausfahrten raus aus Linz stehen am Programm. Das Besondere ist, dass sich Radieschen an alle Level und Räder richtet. Egal ob Rennrad oder Citybike, Radsportler*in oder Gelegenheitsfahrer*in, alle sind willkommen. Bei den Fahrten wird immer aufeinander Rücksicht genommen, Pausen gibt es so viele, wie benötigt werden.
Lou und Emma, zwei der Mitgründer*innen von Radieschen betonen, dass es nicht um Wettbewerb und Schnelligkeit geht. Austausch und Community stehe im Fokus. Während der Fahrt miteinander plaudern und sich besser kennenlernen sei wichtiger, als die Strecke in kürzest möglicher Zeit zu bewältigen. Dafür haben sie auch schon abwertende Kommentare erhalten. Richtig schlimm finden es beide nicht, sie fänden es eher bestärkend, Platz einzunehmen, gerade auch in einem Raum, der öfter von Männergruppen dominiert würde.

Radieschen möchte ein sicherer Ort für FLINTA (Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans, und agender) Personen sein. Das bedeutet, dass cis Männer (die sich mit dem männlichen Geschlecht, das sie bei der Geburt zugewiesen bekommen haben, identifizieren) nicht Teil der Radieschen sein können. Das war den Gründer*innen wichtig, da es gerade bei Sportgruppen oft eine binäre Trennung in Männer und Frauen gibt. Trans oder nichtbinäre Personen fänden dann in solchen Räumen keinen Platz, oder könnten sich unwohl fühlen.
Radieschen bietet Platz für diejenigen, die einen safer space möchten und vernetzt Radbegeisterte. Für die Zukunft wünschen sich Lou und Emma, dass Mitglieder des Kollektivs selbst Ausfahrten vorschlagen. So soll eine nachhaltige Motivation geschaffen werden, gemeinsam Rad zu fahren.
Sendungsmoderation: Sophia Tietjen
Zuletzt bearbeitet am 02.09.26, 15:12 Uhr
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