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Final Mission

FROzine am 13. Jänner 2010

Wir sind auf der Suche nach den Symptomen von Alltagskultur; genauer geht es um die Tabakkultur, die zur Unkultur deklariert wird. Und, wir halten uns an nichts: es geht auch heute noch einmal um das Kulturhauptstadtjahr, das nun Vergangenheit ist. Ein Abschied der anderen Art soll vorgestellt werden.

Eine Wiederholung der Sendung geht morgen um 6am und 1pm on Air.

Final Mission

Linz0nein hat das Kulturhauptstadtjahr konsequent begleitet. Zum Auftakt gab es im Februar 2009 eine Publikation all jener für Linz09 eingereichten Projekte, die abgelehnt wurden. Dieses goldene Programmbuch enthielt Eingangs Literatur von AutorInnen die sich kritisch mit den Mechanismen eines Kulturhauptstadtjahres auseinandersetzen. Neben dem virtuellen Auftritt des Linz0nein Team gab es konsequenterweise am Ende des Kulturhauptstadtjahr eine Kunstperformance, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Es soll ganz lustig gewesen sein, und soviel soll verraten werden: die Performance scheiterte, was wir irgendwie sehr stimmig finden. Im Gespräch Belinda Hofer, die das Linz0nein-Projekt gemeinsam mit Robert Hinterleitner leitete. 

Homepage Linz0nein

 

Rauchen führt zur Verstopfung von Arterien und verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle

aber, und nun kommts:

„Auch Nichtraucher müssen sterben“

Friedrich Torberg, Berlin 1988

Was bisher als mondän und gesellig galt, wird nun zu einem Objekt geekelten Anstosses. Die Tabakkultur wird zu einer Unkultur deklariert. Es ist eine Politik im Entstehen, die offenbar nichts Besseres zu tun hat als europaweit in der gouvernantenhaften Erlassung von immer lückenloseren und strikteren Rauchverboten im öffentlichen Raum anzustreben.

Unterstützt wird dies von einer massiven Medienpropaganda und einer dementsprechend erregten öffentlichen Meinung, bei der rauchende Menschen zu Unpersonen werden.

Nichts ist so wenig aktuell als ein Ausspruch des ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Alessandro Pertini: „Man könne Toleranz von den Rauchern lernen – denn noch nie habe sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert.“ Heute herrscht ein aggressiver Tenor was das Rauchen betrifft: selbstberufene Gesundheitsapostel lancieren neue Schreckensmeldungen über die Schädlichkeit des Tabakgenusses und insbesondere über das Passivrauchen. Hier ist dann keine pragmatische Regelung oder kein Kompromiss mehr möglich, denn jene wollen ein Kulturphänomen total aus der Öffentlichkeit vertilgen und liquidieren.

Wir bringen heute zum Thema Rauchen ein paar Splitter aus Filmen und werden versuchen ein Streitgespräch live im Studio anzuzetteln. Wie im Ring: Raucher vs. Nichtraucher. Oder ist doch alles komplizierter? 

 

Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften ist wohl das bekannteste Buch Robert Musils. In Musils Buch wird nicht nur der Niedergang von Kakanien, die K&K Monarchie beschrieben, er war es, der mit der Genialität abrechnete (denn wenn schon ein Rennpferd genial ist?) und hat den verheissungsvollen Aufbruch in eine Neue Zeit, die nur kurz währen sollte, beschrieben.   

„Es ist nichts so schwer, wie mit einem Menschen in ein Schicksal verflochten zu sein, den man nicht genügend liebt!“ Aus „Der Mann ohne Eigenschaften“ (1. und 2. Buch)

Die Kollegen von Radio Corax in Halle hatten die geniale (jaja) Idee den Robert-Musil-Biographen Karl Corino zu interviewen, um an den heute fast vergessenen Schriftsteller zu erinnern.

 

Am Mikrofon: Pamela Neuwirth

 

Ein Buchtip, der das Thema Rauchen auf unkonventionelle Art behandelt:

Pfaller Robert, 2009: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur. Fischer Verlag. 

 

Hier die Sendung nachhören

 

Zuletzt geändert am 13.01.10, 00:00 Uhr

Verfasst von Pamela Neuwirth

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