Gesendet am Di 15. Aug 2017 / 16 Uhr
Reise! Reise!

Bei den entmündigten Steinzeitmenschen

Zurück zu den Wurzeln! Wer bin ich? Woher komme ich? Das scheint mir einer der Beweggründe zu sein, die einen Menschen aufstehen und weggehen lässt. Jetzt will ich es wissen! Das schau ich mir an. Wie mögen meine Vorfahren gelebt haben, die Metall nicht kannten – etwa die Steinzeitmenschen. Auf Neuguinea gibt es noch welche, wird gesagt. Das gebirgige Land ist vor etlichen Jahrtausenden besiedelt worden. In den unwegsamen Gebirgstälern haben sie gut isoliert leben können. Sie haben nicht nur Dialekte, sondern Sprachen, die weit voneinander entfernt sind.
- - - - Bei ihnen gewesen ist Dieter.

Zurück zu den Wurzeln! Wer bin ich? Woher komme ich? Das scheint mir einer der Beweggründe zu sein, die einen menschen aufstehen und weggehen lässt. Jetzt will ich es wissen! Das schau ich mir an. Wie mögen meine Vorfahren gelebt haben, die Metall nicht kannten – etwa die Steinzeitmenschen. Auf Neuguinea gibt es noch welche, wird gesagt. Das gebirgige Land ist vor etlichen Jahrtausenden besiedelt worden. In den unwegsamen Gebirgstälern haben sie gut isoliert leben können. Sie haben nicht nur Dialekte, sondern Sprachen, die weit voneinander entfernt sind.

– – – – Bei ihnen gewesen ist Dieter.

 

Zur Geschichte Neuguineas und seiner Menschen:

Unsere Reise geht in den Westteil der Insel, auf Deutsch als Westneuguinea oder Westpapua  bezeichnet.

Die Papuas haben  – wie alle Melanesier – gekräuseltes Haar und schwarze Haut. Manchmal schwärzer als die der Schwarzafrikaner. Die Farbe des Haares ist vorwiegend schwarz. Es gibt aber nicht wenige Menschen unter den Melanesiern (auf den Salomonen sind es 5 bis 10 %) mit blondem Haar – eine zufällige Mutation, wie Forscher vermuten. Welche Vorteile mit dieser genetischen Änderung verbunden sein könnte, ist noch unklar.  Stammesgeschichtlich sind die Melanesier allerdings keine Afrikaner.  Melanesier gibt es im Osten des Pazifiks, etwa auf den Inseln von Samoa, Fidschi, Vanuatu, Neukaledonien, Salomonen, in ganz Neuguinea und den umliegenden Inseln.

 Neuguinea besitzt den größten Tropenwald Australasiens, die reichhaltigsten Korallenriffe der Welt und die reichste Biodiversität außerhalb des Amazonas. Weltweit einzigartig ist auch die Anzahl von über eintausend indigenen Sprachen.

 Vor mindestens 40000 Jahren sei Neuguinea erstmals besiedelt worden – von den Vorfahren der heutigen Ureinwohner. Im 16. Jahrhundert begannen Portugiesen und Spanier das Land zu entdecken. Erst im 19. Jahrhundert konnten Europäer richtig Fuß fassen. Die Niederländer haben Westguinea schließlich Kolonialisiert. Östlich des 142. Breitengrades haben sich Briten (ab 1902 Australien) und Deutsche die Insel Neuguinea geteilt. Mit Beginn 1. Weltkrieg hat sich Australien auch den Norden genommen. Daraus ist 1975 der unabhängigen Staates Papua-Neuguinea hervorgegangen.

 Die Niederländer waren ursprünglich die Kolonialherren von Westpapua. Es erhielt 1652 eine innere Selbstverwaltung. Die Indonesier erneuerten ihren Anspruch. Im Oktober 1961 wurde ein Parlament gebildet. Die Niederlande und die Lokalverwaltung vereinbarten die Unabhängigkeit Westneuguineas für 1970. Am 1. Dezember 1961 wurde unter dem Jubel der Bevölkerung die Morgensternflagge der Republik Westpapua gehisst. Die Niederlande hatten mit den lokalen Behörden die Unabhängigkeit von Westpapua für 1970 vereinbart. 1962 versuchte Indonesien mit Truppen zu landen. Die USA übten Druck auf die Niederlande aus. Man muss wissen, dass Westpapua reich an Erdöl ist. Im New Yorker Abkommen wurde geregelt, dass Westpapua an Indonesien komme. Was auch geschah: Westpapua wurde 1963 von Indonesien besetzt.

 Die Indonesier erklärten die Invasion als Akt der Befreiung und verwirklichten ihre Formel eines Indonesiens „von Sabang bis Merauke“. Das Hissen der Morgensternflagge wurde zunächst mit dem Tode bestraft. Heute wird es als Hochverrat angesehen und mit bis zu 20 Jahren Freiheitsentzug geahndet. Was die einen Befreiung nennen, erleben andere als Besatzung. Das kennen wir ja auch aus der jüngsten Geschichte. Aus Sicht der Papua realisierte Indonesien keine befreiende Dekolonisation, sondern herrscht als neue Kolonialmacht.

 Während einige Berichte wie der Yale Report 2003 oder eine Studie der Universität Sydney 2005 von Völkermord sprechen, meint die International Crisis Group, dass die „Kultur der Straflosigkeit“ die Militärs zu übermäßigen Gewaltreaktionen veranlasst hat. Einige Papua behaupten, die Situation sei schlimmer als in Osttimor, da die Bildung der Papua gering ist und durch das zergliederte, unzugängliche Terrain das Militär leicht in einem Tal einen der 250 Stämme auslöschen kann und dies nicht einmal bemerkt wird. Selbst nach indonesischen Gesetzen handle es sich bei den Vorfällen in Wasior 2001 um Völkermord, schreibt Sabine Kuegler in ihrem Buch „Ruf des Dschungels“. Als Kind hatte sie mit ihren Eltern bei einem Papua-Stamm gelebt.

 Man hat den Eindruck, die Ureinwohner leiden sehr. Hören wir uns ein Interview mit Benny Wenda. Er ist ein West-papuanischer Unabhängigkeitsführer und ein internationaler Lobbyist für die Westpapuas Unabhängigkeit von Indonesien. Er lebt im Exil im Vereinigten Königreich. Nach seiner Flucht erhielt hier er im Jahr 2003 politisches Asyl. Wir hören ihn mit den Lani-Sängerinnen und Lani-Sänger in einer Aufführung im April 2013 bei einer Darbietung in der Free-PAPUA-Niederlassung in Oxford UK. Dann kommt Benny Wenda selbst zu Wort.

Zuletzt geändert am 09.08.17, 00:00 Uhr

Volkmar Baurecker

Verfasst von Volkmar Baurecker

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