IMG_20180701_142416 Bf Bregenz  Foto: erichk
Wegstrecken

Autofahrer dürfen alles?

Keine Sorge, ich werde meine kostbare Sendezeit nicht dafür verschwenden, ein weiteres Klagelied gegen die autofahrenden Mitmenschen anzustimmen.

Doch in aller Deutlichkeit festhalten möchte ich schon, dass „natürlich“ nicht alle, doch gar nicht so wenige der autofahrenden Mitmenschen

Tempo 30 für Makulatur halten und 50 km/h oder mehr fahren

Tempo 50 im Stadtgebiet für überflüssig halten und beispielsweise über die Nibelungenbrücke rasen

Begegnungszonen so benützen, als würde die Straße alleine ihnen gehören

Mit 40 oder 50 Sachen durch Begegnungszonen preschen

Rücksicht auf „schwächere“ Verkehrsteilnehmende als unnötig erachten

Radfahrenden den Vorrang nehmen bzw. mit zu geringem Abstand und zu hoher Geschwindigkeit überholen

Ohne ersichtlichen Notfall oder sonstige nachvollziehbare Gründe Wege für Radfahrende und zu Fuß Gehende vereinnahmen

Im Idealfall 20 Minuten oder mehr auf Gehwegen mit laufendem Motor stehen bleiben

Offenbar der Meinung sind, es wäre ja ihre Sache, den Motor laufen zu lassen, den Dreck fressen ja schließlich die anderen

Selbstverständlich Bushaltestellen wie an der Unionkreuzung okkupieren, man weiß ja, dass Bushaltestellen nichts anderes als eine Parkplatzreserve für Autofahrende sind, denen nicht zumutbar ist, ihren Kübel regelkonform abzustellen – wenn Gelenkbusse die Haltestellen nicht mehr so anfahren können, dass ein einigermaßen problemloses Ein- und Aussteigen möglich ist, kann man halt nichts machen

Sich als Lärmterroristen gebärden, die mit quietschenden Reifen um Kurven krachen, 250 Meter vor einer Kreuzung bzw. roter Ampel mit Vollgas ihre Sportboliden beschleunigen, eine Fahrweise an den Tag legen, die an Rennstrecken erinnert

Alles benützen, was die Zubehörindustrie an Mitteln, andere mit Lärm zu tyrannisieren bereit hält: findige Bastler tunen und motzen im Grunde windige Blechkisten dermaßen auf, dass ich mich frage, wieso werden Fahrzeuge, mit denen sogar schon bei gemäßigter Fahrweise ein Höllenlärm erzeugt wird, nicht aus dem Verkehr gezogen?

Warum können sich diese rücksichtlosen „autoverseuchten Schnuckis“, die mitunter Lärm in einer Dimension erzeugen, dass man speziell, aber nicht nur zu Nachtzeiten, von akuter Gesundheitsgefährdung aller sprechen muss, die diesem Lärm ungeschützt ausgesetzt sind, dermaßen frei in ihren Kübeln bewegen?

Mir fiele noch manch anderes unliebsames Vorkommnis ein, z.B. dass sich die meisten TaxifahrerInnen so verhalten, als würden sie Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht lenken, der nächtliche 30er in der Herrenstraße entlang der Rückfront der Krankenhäuser wird ebenso wenig eingehalten wie andere Tempolimits.

Auch die Lärm- und Geschwindigkeitstiraden am nächtlichen Graben, zwischen Taubenmarkt und Dametzstraße sind ein kontinuierlich auftretendes Ärgernis, zwischen Belästigung und Gefährdung.

Von PolitikerInnen mitunter ausgebrachte Appelle an gegenseitige Rücksichtnahme wirken angesichts meiner ausreichend geschilderten Beobachtungen – über einen langen Zeitraum hinweg – realitätsfern, unbeholfen, daneben oder einfach nur zynisch.

Außerdem ist Linz insgesamt eine sehr autofreundliche Stadt, Platzverbrauch, von Autos in Anspruch genommene Flächen, überhöhte Geschwindigkeiten, Benachrangung von „sanfter Mobilität“ gegenüber dem Autoverkehr – siehe die Umschaltintervalle von Ampeln oder die unnötigen Halte von Straßenbahnen, die von Urfahr kommend vor der Einfahrt in den Hauptplatz stehen bleiben müssen, sogar zu Nachtzeiten.

Und die Polizei? Scheint andere Aufgaben zu haben, als sich verstärkt um Autofahrende anzunehmen, die andere gefährden, belästigen, mit Lärm tyrannisieren und Straßen als Rennstrecken benützen.

Da fährt man im Polizeiauto im Volksgarten herum und als ob das nicht ausreichen würde – haben Polizeibeamte keine Füße? – werden aus dem Auto heraus Kommandos an eine Gruppe von BettlerInnen erteilt.

Die Polizeibegegnungsdichte zwischen Hauptplatz und Blumau erinnert im Bereich der Fuzo an die 1980er, wo Linz wirklich ein Alleinstellungsmerkmal hatte, was einem erst auffiel, wenn man in Wien oder Graz unterwegs war.

Und hinterm AEC, auf dem Areal bis zur Stadtpfarrkirche, dürfte es auch wenig ratsam sein, sich aufzuhalten. Aber Kickls Polizei schützt die braven Bürger auch hier, mal mit einer 3-Mann und 1-Frau-Patrouille in martialischer Ausrüstung mit ebensolcher Gangart, dann wieder mit zwei Beamten im Polizeiauto, die es sich nicht nehmen lassen, langsam in einer Schleife das sogen. AEC-Maindeck zu befahren, man weiß ja, wo die gefährlichen Leute zu Hause sind.

Wer es bisher durchgehalten hat, erfährt nun aber auch, dass ich den zuvor ausführlich beschriebenen Geschehnissen wenig Platz einräumen werde.

Vorstellen werde ich allerdings die jüngste VCÖ-Publikation „Rebound- und Seiteneffekte im Verkehrssystem“. Dazu einiges an Meldungen und Berichten, angesiedelt zwischen Wien und Bregenz, nützliche Hinweise für Bahnreisende oder Warnung vor Grenzübertritten in Schnellzügen im Bodenseeraum.

Genaue Inhaltsangabe der Sendung siehe:

https://cba.fro.at/379899

Erich Klinger, 14. und 18. Juli 2018

 

Zuletzt geändert am 18.07.18, 13:31 Uhr

Gesendet am Di 17. Jul 2018 / 19 Uhr

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