94979528a950645641ed0d610c7b9b53.jpg
Gesendet am So 28. Aug 2016 / 23 Uhr
IMC - India meets Classic

IMC – India meets Classic presents… Raga CDs des Monats (08/2016): Imdadkhani Gharana – Die großen Meister aus Etawah

Gharana-s sind eine Art Musikschulen, die man in Nord- und Südindien antrifft. Gharana-s sind stilistische Ausprägungen innerhalb der indischen Klassik, Interpretationsformen von Ragas mit charakteristischen Ornamentiken, die von Generation zu Generation, von einem Lehrer an den Schüler in mündlicher Forum weitergegeben werden...

Der Begriff Gharana ist uns in den zurückliegenden Sendungen immer wieder begegnet. Gharana-s sind eine Art Musikschulen, die man in Nord- und Südindien antrifft. Gharana-s sind stilistische Ausprägungen innerhalb der indischen Klassik, Interpretationsformen von Ragas mit charakteristischen Ornamentiken, die von Generation zu Generation, von einem Lehrer an den Schüler in mündlicher Forum weitergegeben werden.

Die Imdadkhani Gharana ist eine der ältesten Musikschulen der nordindischen Klassik, der Hindustani-Musik. Sie  geht auf den Musiker Imdad Khan zurück. Imdad Khan (1848-1920) spielte die Sitar und Surbahar. Er wurde in Agra geboren. Imdad’s Familie zog in die Stadt Etawah, einem Distrik im British-Indien am Yamuna-Fluss gelegen. So ist die Imdadkahni Gharani auch als Etawah Gharana bekannt. Heute gehört Etawah zum indischen Bundesstaat Uttar Pradesh.

Sendetermine…

28. August 2016 – 23:00 Uhr CET (05:00 pm EST) @ Radio FRO (A)
(Premiere: 21. März 2011 – 23:00 Uhr CET @ Tide Radio)
broadcasting planstreaming (Internet Radio & Mobile Radio) | podCast

Imdad Khan entstammt einer berühmten Musikerfamilie. Der musikalische Stammbaum der Khanfamilie kann nahezu 400 Jahre zurückverfolgt werden. Die Wurzeln finden wir im District Agra, im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh.

Die Imdadkhani Gharana hat sich über Etawah nach Kolkatta, Hyderabad, Indore und Mumbai durch ganz Indien ausgebreitet. Die geschichtlichen Wurzeln der Imdadkhani Gharana bis in’s 16. Jahrhundert zurück, gleich dem Familienstammbaum der Khanfamilie.  Die Imdadkhani Gharana hat sich aus der Gwalior Gharana entwickelt. Es ist eine der ältesten Musikschulen, in der Gesangstile der nordindischen Klassik entstanden, wie der Khayal.

Es ist die Besonderheit des Sitarspiels in der Tradition der Imdadhi Khan Gharana oder Etawah Gharana, dass man eine Gesangstechnik umsetzt. Benannt als: Gayaki ang. Von einem Sitarspieler ist es gewollt, der Ausdrucksstärke und -vielfalt der menschlichen Stimme als das herausragende Instrument der indischen Klassik möglichst nahe zu kommen. Auch alle sonstigen Instrumentalisten auf der indischen Flöte, der Bansuri, der indischen Fiddel, der Sarangi oder Sarode streben nach diesem Intonationsbild. Doch wie auf keinem anderen indischen Instrument wird auf der Sitar mit dem Gayaki Ang das Repertoir von klassischen Sängern  gespielt.

Auch Imdad’s Sohn Enayat Khan (1895-1938) war einer der bedeutendsten Sitarspieler des frühen 20sten Jahrhunderts. Es war Enayat’s Verdienst, dass er die Sitarmusik in der indischen Kulturhauptstadt Calcutta (Kolkata) einem größeren Publikum zugänglich machte. Die Sitar wurde bis dahin überwiegend in einem kleinen Kreis von Musikliebhabern gehört. Neben der Popularisierung entwickelte Enayat Khan auch die bauliche Struktur der Sitar weiter. Der indische Nobelpreisträger für Literatur, Rabindranath Tagore (1861-1941) zählte zu den musikalischen Weggefährten von Enayat Khan. Enayat Khan verstarb im Alter von nur 43 Jahren. Er hinterliess vier Kinder. Zwei Söhne, der Sitarspieler Vilayat (1928-2004) und Surbaharmaestro Imrat Khan (geb. 1935) wurden in der Tradition der ImdadKhani Gharana berühmte Musiker.

Zuletzt geändert am 28.08.16, 00:00 Uhr

Avatar

Verfasst von Lothar J.R. Maier

zur Autorenseite
Gesendet am So 28. Aug 2016 / 23 Uhr

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden von der Redaktion moderiert. Es kann daher etwas dauern, bis dein Kommentar hier erscheint. Wir behalten uns vor, diskriminierende oder diffamierende Kommentare, sowie solche, die straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, zu entfernen.