DSC07833 Bahnsteig Ulmerfeld-Hausmening
Erich Klinger
Zu hören am Di 17. Mär 2020 / 19 Uhr
Wegstrecken

Fliegende Rollatoren

Barrierefreiheit und ÖBB ist mitunter ein Kapitel für sich.

Das möchte ich an zwei Beispielen aus dem Mostviertel demonstrieren:

Als Mitte der 1990er-Jahre die Haltestelle St. Johann-Weistrach im Zuge des 4-gleisigen Ausbaues der Westbahn neu errichtet wurde, schaffte man es zwar, die Zugänge zur Unterführung zum Bahnsteig mit Rampen auszustatten, der eigentliche Zugang zum Bahnsteig wurde jedoch, trotz meines Erachtens ausreichender Bahnsteiglänge nicht mit einer Rampe, sondern mit einer Stiege gebaut.

Noch ärger trieb man es im Jahr 2008 beim Umbau des Bahnhofes Ulmerfeld-Hausmening, wo anstelle der vorigen Erdbahnsteige zwar ein Mittelbahnsteig errichtet wurde, der Zugang jedoch nur mehr mittels Stufen möglich ist, womit die 2020 durch den Einsatz von Talent und City-Jet-Garnituren mögliche Barrierefreiheit jedoch ad absurdum geführt wurde.

Auf die Idee, einen barrierefreien Zugang ohne Unterführung, dafür mit Querung eines Gleises und bewältigbarer Rampe zum Bahnsteig, zu bauen, kam man dort nicht, obwohl derartiges vielerorts praktiziert wird. In Mining, Ottensheim oder Gmunden ist scheinbar problemlos möglich, was in Ulmerfeld-Hausmening nicht umgesetzt wurde.

Dass der Bahnhof seit dem Umbau – von Amstetten aus – ferngesteuert wird und somit kein/e Fahrdienstleiter/in mehr vor Ort ist, trifft auf Mining, Ottensheim und andere Bahnhöfe mit Zugang über eines der Durchgangsgleise gleichfalls zu. Sämtliche Personenzüge, die auf der Rudolfsbahn planmäßig unterwegs sind, halten in Ulmerfeld-Hausmening. Güterverkehr gibt es nur in eingeschränktem Ausmaß, vor allem Durchgangsgüterzüge sind hier nur wenige unterwegs, auch ein etwaiger Umleiterverkehr für die Pyhrnbahn wird eher über die Ennstalstrecke als über Kleinreifling – Amstetten abgewickelt. Außerdem verfügt der Bahnhof über ausreichende Gleise, um etwaige Durchgangszüge außerhalb der Gleisquerung durchfahren zu lassen.

Im noch vorhandenen Bahnhofsgebäude gibt es zumindest noch (oder wieder) benützbare Toilettenanlagen, den Warteraum mit Heizung hat man „natürlich“ durch einen unbeheizten Glaskobel am Bahnsteig ersetzt, es kommt ja billiger, Räume leer stehen zu lassen als sie zu nützen und sich dann auch darum kümmern zu müssen, dass sie in gutem Zustand sind bzw. Beschädigungen hintangehalten werden.

Man kaschiert die Nachteile personell verwaister Bahnhöfe – häufigere Beschädigungen, Verunreinigungen – durch pflegeleichte Bauteile, deren KundInnenfreundlichkeit jedoch häufig zu wünschen übrig lässt. Bessere Lösungen scheitern oft daran, dass sich Gemeinden und ÖBB nicht auf eine für beide Seiten akzeptable Nutzung einigen können, die Begeisterung der ÖBB für ihres Dafürhaltens nach nicht mehr benötigte Räumlichkeiten hält sich ja eindeutig in Grenzen.

Erich Klinger, 2.1.2020

Zuletzt geändert am 15.01.20, 13:27 Uhr

Zu hören am Di 17. Mär 2020 / 19 Uhr

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