Stella Chiyanda Zongwe FM
Petra Moser (©)
Gesendet am Fr 18. Okt 2019 / 22 Uhr
FRO Live

Floating Sounds zwischen Zambezi und Donau

Livemitschnitt von der Performance zu Review//Mulonga2019//Remix am Donauufer am vergangenen Dienstag.

Wir hören die Aufnahme von der Performance, die bei einem Soundworkshop mit Redakteur*innen von Zongwe FM entwickelt wurde. Uraufführung der Stücke war im Juli 2019 am Ufer des Kariba Stausees. Wolfgang Fadi Dorninger, der den Workshop leitete, präsentierte die Stücke am 15. Oktober am Ufer der Donau.
Auf dem Donaubus hatte er das Liveset aufgebaut und das Publikum konnte sich vom Ufer der Donau über die „Radiobrücke“ an den Zambezi denken.
Liveaufnahme: Matthias Steiner. Danke!

Reihenfolge der Stücke vom Workshop in Sinazongwe, Juli 2019

James Teelela: James bricht die Tongamusik auf, indem er sie in Loops zwingt. Das ist gar nicht so leicht mit der Musik der Tonga, weil sie stets in Bewegung ist und laufend Veränderungen in Schichten stattfinden. Es entsteht dadurch eine industrielle, technoide Klammer, die das ruhige vokale Stück,ganz im Stil der Vorfahren interpretiert und stark in Bedrängnis bringt.

Stella Chiyanda: Stella startet mit einem Stakkato, so als wäre eine Schallplatte hängen geblieben. Dann erzählt eine selbstbewußte junge Frau eine Geschichte, eloquent und tonal singend, unter der ein Musikstück der Tonga in einem Loop leise beginnt, anschwillt und dann wieder abbricht. Die Stimme bleibt dabei immer selbstbewußt. Dann erzeugt ein Loop einen Slogan und ein von einer Frau vorgetrager Wunsch wird zur Losung, die sich dann wieder in einem Gespräch aufzulösen scheint. ist es der Wunsch nach einem female chief oder bloß Konversation?

Modester Siabunkululu: Ein treibender tiefer Loop rollt wie Routine durch das Haus von Modester. Nur kurz, denn dann klingt nur mehr das Wichtige im Leben der Witwe, Tierzüchterin und Mutter. Das Wasser, die Hühner und dann die Kinder, Modester eröffnet uns eine ganz intime Klangwelt, ein Hörstück des Alltags. Am Schluß legt sich dann noch die Stimme der verstorbenen Tante geisterhaft granuliert in die Klangszenerie, tief und berührend.

Nelico Mweetwa: Nelico thematisiert die Wichtigkeit des Radios für die Community, er montiert Aussagen von Chiefsund Machern, aber auch von Menschen, die keinen Blick nach Aussen haben, zu einer Klang-Denk-Raum, der dann mit traditionellen Tongamusik endet. Tradition und Technik, nicht versus.

Chepas Siakaula: Cephas schafft eine musikalische Klammer mit Loops aus Sprache und Musik. Im Zentrum stehen Trauerreden und traditionelle Tongamusik. Er schafft Raum für das Spannungsfeld Tradition versusTechnik und zerschneidet dabei die Reden mit traditioneller Tongamusik und flankiert sie am Anfang und am Ende mit Loops, so als würde er einen Weg suchen, wie man Tradition und Technikdual in eine ungewisse Zukunft lotsen kann.

Wolfgang Dorninger: Das Wasserschöpfen beim Lwindi-Fest ist zentrales Thema meiner Klangarbeit. Die Tonga lebten einst am Ufer des Mulonga (Zambesi) und wurden beim Bau des Kariba Stausees in höhere Lagen des Valley umgesiedelt. Beim Lwindi fahren sie mit Booten hinaus auf den See, um Wasser an jenen Stellen zu schöpfen, wo sie die Gräber ihrer Ahnen vermuten. Das Wasser der Ahnen wird dann auf den Gräbern der Nachkommen verteilt, auf dass sich der Kreislauf schließen möge. DieseGeschichte hat mich dermaßen berührt, dass ich ein Klangstück mit Wasser und Geisterklängen der Tongamusik erstellen mußte.

Workshop Soundscape Mulonga – Hören, digitalisieren, granulieren
Workshopleiter: Wolfgang Dorninger
Location: Zongwe FM, Juli 2019
Teilnehmer*innen: Florence Syembeyi, Modester Siabunkululu, Michelo Chiyambuka, Patience Ikachana, James Teelela, Nelico Mweetwa, Stella Chiyanda, Chepas Siakaula & Kennedy Kamböle.

Zuletzt geändert am 18.10.19, 16:17 Uhr

Gesendet am Fr 18. Okt 2019 / 22 Uhr

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