1.
land, land, mein körper, der mir weggenommen wurde
land, land, mein blut, das fließt
land - eingeweide
geplatzte eingeweide
eingeweide erinnerungen meines landes
mein körper, der brennt
(auszug aus - land, erschienen in: Der Apfel, Rundbrief des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie, Nr. 55)
2.
Ja, Anthropophagie.
Du wirst mich jetzt schlucken.
(...)
Du wolltest nur Folklore, nur einen exotischen Rhythmus, eine erregende Zutat zum Ficken. Ich schenke dir Folklore: Residuen, überlebende Äußerungen meiner Vorfahren: Indianer Schwarzen Caboclos Sklaven, die unter dem Zeichen der Unterdrückung der Ausbeutung der Demütigung und des Todes entstanden sind. Kreislauf, mein Herz, mein Blut, unser Blut. Ich überflute dich.
(auszug aus - anthropofagie und akkulturation: eine begegnung beim ficken, erschienen in: Der Apfel, Rundbrief des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie, Nr. 55 und in: KUPF 80/1/99)
3.
Mir erscheinen heute viele Wörter als Steine und deswegen werde ich euch über Steine erzählen. Vom einem Stein, der im Magen liegt, denn wir sind Frauen, die die Erfahrung, nicht erwünscht zu sein, aber begehrt zu werden, wie ein Stein im Magen tragen. Wir haben aber das Leben vor uns und spucken den Stein aus und halten ihn in der Hand gedrückt. Ich rede also von ausgepuckten Steinen, von Steinen, die in Händen gedrückt werden, von Steinen, die geworfen werden sollten, müssen und werden, von Steinen die gefangen, gepflanzt, gegraben, verborgen, zerstört, bemalt, geschluckt werden.
(auszug aus - über den boden unserer gefühle, erschienen in: Der Apfel, Rundbrief des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie, Nr. 55)
4.
Heute sind wir da. Weil ihr dort wart, pflegen wir zu erläutern.
Wir sind gekommen, um einiges zu erledigen. Heißt es in den klar ausgesprochenen und in den nicht ausgesprochenen Regeln, die über unser Leben hier bestimmen. Und Punkt.
Über diesen Punkt wollen wir springen. Aus diesem Punkt wollen wir einen Beistrich machen und weiter schreiben. Die Geschichte wäre hier aus, aber diese Version ist nicht unsere, wir wollen an unserer Geschichte weiter schreiben. Wir, als Protagonistinnen unserer Geschichte, und nicht jene die an der Macht sind und behaupten, hier ist ein Punkt. Wir behaupten, die Geschichte geht weiter. Wir bestehen auf das Recht, Beistriche zu setzen, wo andere einen Punkt sehen oder einen wollen.
Wir wollen das Zeichensetzungsystem erschüttern. Pausen einbauen, wo keine möglich sind, wo kein Nachdenken erlaubt ist. Rhythmen verändern. Aus Behauptungen und aus negativen Aussagen Fragen stellen. Klammer und Anführungszeichen setzen, wo nichts erklärt wird. Doppelpunkt setzen und weiter schreiben. Ein Semikolon setzen, wo Aufzählungen notwendig sind. Pünktchen zu schreiben, um auf die Unvollständigkeit hinzuweisen...
(auszug aus - aus dem punkt wollen wir einen beistrich machen - erschienen in: Der Apfel, Rundbrief des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie, Nr. 55)
5.
Als Migrantin in einem Raum zu sprechen, der verlagert ist. Die Notwendigkeit den Raum und seine Wände zu sprengen. Wir sind draußen. Ich nicht, aber wir. Einige werden zugelassen, wir nicht. Ich komme rein und rede für jene, die draußen geblieben sind. Ich komme rein wie der Affe von Kafka. Ich und wir kolonisierten Frauen, von Europäern kolonisierte Frauen, einige hineingelassen, alle anderen draußen, im Bett, in gutbürgerlichen Wohnzimmern, auf Sofas, vor dem Fernseher, Beine auseinander gerissen, vorgespielte Orgasmen, in der Vagina euer Sperma, wir. Euer Sperma in unseren Vaginas seit 500 Jahren. Die Legitimität meiner, unserer Wörter: europäisches Sperma seit 500 Jahren in der lateinamerikanischen Vagina.
(auszug aus - repräsentation und praxis, erschienen in: Kulturrisse, IG Kultur Ö Juni 2000)